Medien

Nachrichtendienstliche Unterwanderung der Bloggerszene?

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Es gibt ja Dinge, an die denke ich überhaupt nicht. Erst recht nicht, weil ich ja weiß, das ich in einer freiheitlichen, demokratischen Republik lebe, wo jeder seine Meinung sagen kann – was ich ja auch ausgiebig tue. Doch jetzt bin ich durch Zufall auf etwas gestoßen, was ich nicht uninteressant finde – die Frage, ob es in der Tat Aktivisten geben könnte, die versuchen, die alternative Medienwelt von Blogs zu unterwandern.

Anlaß der Gedanken war unter anderem der Eifelphilosoph selber, bzw. gewisse Ereignisse, in die ich verstrickt war:

http://www.mein-parteibuch.com/blog/2009/10/30/wie-die-amsel-das-parteibuch-fuer-rechtsextremismus-zu-gewinnen-versuchte/

So hat der beispielsweise der bis kurz zuvor auch zum “Partnernetzwerk” gehörende Eifelphilosoph am 12.07.2009 den Beitrag “Deutschnationale Offensive bei Blogverbund Saarbreaker?” veröffentlicht. Teile des Netzwerkes wehrten sich gegen die Kritik gemeinsam. Womblog und Julie veröffentlichten beispielsweise eine Gegendarstellung von Hans-D. Ziran dazu und erklärte gar, sie möchte “zum Schutze unseres gesamten Netzwerkes keine Verlinkungen mehr zum Eifelphilosophen” haben. Auch wurde der Eifelphilosoph unter Druck gesetzt, seine Beiträge zu löschen, weil er den “Bloggerverbund” diffamiere. Wer sagt, was er über die “deutschnationale” Propaganda von Moltaweto denkt, muss also anscheinend damit rechnen, juristisch angegangen zu werden. Wir schätzen uns glücklich, dass der Eifelphilosoph seitdem durch den Parteibuch Ticker läuft.

In der Tat … das wurde mir da sehr unheimlich. Und bis zum heutigen Tage fehlt es mir da an Logik, zeigen doch die Autoren, das sie ansonsten in gesellschaftlichen und politischen Fragen sehr differenziert und analytisch denken können … dann jedoch aber in mancherlei Hinsicht merkwürdige Monströsitäten ablassen, wie z.B. die Frage der „deutschen Ostgebiete“ betreffend:

Danach folgt von Moltaweto eine ungeheure Lüge. Zitat Moltaweto: “Da es „auch“ in Kreisen seriöser Historiker und Völkerrechtler nicht bestritten werden kann, dass die seinerzeit erfolgte „Vereinnahmung der deutschen Ostgebiete“ durch die damals geltenden Rechtsnormen (s. o.) nicht gedeckt war, sollte es ein legitimer Vorschlag sein, diese endgültige Abklärung als Teil eines anzustrebenden Friedensvertrags vornehmen zu lassen.”

Wer die Monstrosität dieses Satzes nicht versteht, dem sei folgendes erklärt: Die “damals geltende Rechtsnorm” war die bedingungslose Kapitulation des deutschen Reiches. Das hat seinen Grund darin, dass es kurz zuvor einen von Deutschland verschuldeten Weltkrieg gab, bei dem Zig Millionen Menschen ermordet wurden. Dieer Krieg wurde geführt unter der Führerschaft der rechtsextremen Partei NSDAP, die sich die Rückgewinnung “verlorener deutscher Ostgebiete” auf die Fahnen geschrieben hatte und diese Forderung nach ihrer Machtergreifung unter anderem mit Druck für Volksabstimmungen vorantrieb. Die dazugehörende Parole “Heim ins Reich” war ein Kernbestandteil der nationalsozialistischen Ideologie und einer der wichtigsten Gründe für den 2. Weltkrieg.

Wie gut, das es mein Parteibuch gibt. Und wie gut, das ich auf diese Artikel gestoßen bin. Sie regen an, einfach mal einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Es wurmt mich nämlich immer noch, das ich nicht verstehe, wie man so kritiklos und anstandslos rechtsextreme Parolen vertreten kann und damit versucht, die gesamte alternative Nachrichtenszene in den rechtsnationalen Sumpf zu ziehen.

Eine Analyse er in weiträumigen Geschwafel verteilten rechtsextremen Positionen findet man hier:

http://kritische-massen.over-blog.de/article-amsel-ick-hoer-dir-trapsen-37849981.html

Jeder, der seinen Deutschkursus in der Hauptschule erfolgreich abgeschlossen hat, kann das verstehen – aber nicht jeder bringt den Mut auf, 28 Seiten Gechwafel durchzublättern. Wer es macht, hört den Führer im Stechschritt auf die deutsche Bloggerszene zumarschieren.

Hören wir nochmal das Parteibuch:

Mein Parteibuch hat inzwischen einen Grundlagenartikel zum Thema nachrichtendienstliche Unterwanderung veröffentlicht, in dem als Methode zur Erkennung nachrichtendienstlicher Unterwanderungsversuche die Methode die Analyse von Positionen und der Diskussionskultur vorgeschlagen wurde. Inzwischen ist das Bild auch beim Blog Moltaweto deutlicher geworden. Nicht nur Mein Parteibuch ist es aufgefallen, dass Hans-D. Ziran öffentlich und insbesondere im linken Spektrum für Positionen wirbt, deren Natur – freundlich formuliert – “deutschnational” ist. Das ist verwunderlich, denn Moltaweto hat sich in die von Frank Benedikt initiierte Liste “100 Blogs für die Linke” aufnehmen lassen.

Und ich muß sagen … so langsam macht das Sinn. Es wäre unangenehm, sich vorstellen zu müssen, das es
Kräfte gibt, die weite, unkritische Kreise der alternativen Nachrichtenszene in den braunen Sumpf ziehen wollen – einfach nur, um ihre Glaubwürdigkeit zu diskreditieren.

Aber eine solche Deutung der Vorkommnisse hat eine höhere Wahrscheinlichkeit als die Vorstellung, das es sich hier um einen geschickten Versuch von deutschnationalen, revanchistischen Kreisen handelt, mehr Menschen in ihre Reihen zu bekommen.

Warum?

Weil die denkbaren Kreise irgendwann ihre Maske fallen lassen müßten. Irgendwann müßte dem Geschwafel
Taten folgen … und die wären dann klarer erkennbar und würden viele, die jetzt noch stolz im angeblichen Kampf gegen die Ungerechtigkeit der Agenda 2010 gemeinsame Sache mit den dubiosen Subjekten machen, die Augen öffnen. Für intelligente Menschen ein letztendlich sinnloser Versuch der Mitgliederwerbung … es sei denn, man hat lediglich vor, die sich anbahnende Menschenrechtsbewegung in der Bundesrepublik als fünfte Kolonne der NPD zu diskreditieren. Dies wäre in der Tat ein schwerer Schlag für alternative Medien in den Augen der Öffentlichkeit.

Natürlich ist die fünfte Kolonne des Führers auch im Internet unterwegs. Aber sie arbeiten auf ein Ziel hin. Selbst wenn sie geschickt auftreten, haben sie ihr Ziel fest im Auge, für sie würde es keinen Sinn machen, unter Linken zu werben – auch nicht verdeckt. Denn wenn der Tag der Machtergreifung kommt (und den sehnen sie ja herbei, das ist ein fester strategischer Bestandteil ihres Denkens) hätten sie viele
unberechenbare Zeitgenossen in ihren Reihen. „Die Reihen fest geschlossen“ könnte man dann im entscheidenden Moment vergessen. Das riskiert noch nicht mal der dümmste Neonazi … denn dann kann man die ganze Aktion auch gleich sein lassen.

Es muß auch noch nichtmal ein Nachrichtendienst sein, der solche Aktionen startet (an so etwas zu denken, wäre mir auch unheimlich, darüber hinaus erlaube ich mir mometan noch die Naivität, die Blogwelt für
relativ unwichtig zu halten – da kann ich mich aber irren), es mag auch ein Medienkonzern dahinterstecken, der prophylaktisch mögliche Konkurrenz der Zukunft elilminiert, in dem er sie mit geschickt verklausulierten deutschnationalen bis klar faschistoiden Gedankengut verseucht um dann zu einem gewissen besonders günstigen Zeitpunkt mit der großen Keule auszuholen und alle Kritiker mit einem Schlag mundtot zu machen, weil sei gemeinsame Sache mit Leuten machen, die wieder Krieg gegen Polen führen wollen um die deutschen Ostgebiete zurück zu bekommen (und das wäre die letzte Konsequenz, zu der man bereit sein müßte, wenn man den Ausführungen der Agenten folgt).

So etwas wäre sehr plausibel.

Es muß nicht wahr sein, aber … möglich und denkbar wäre es. Gut auf jeden Fall, das ich nicht mehr in diesem unheimlichen Boot sitze.

Und gut das es Leute wie das Parteibuch und Sepp Aigner gibt, die ein waches Auge und einen kritischen Geist haben und denen nicht auf den Leim gehen. Bleibt nur zu wünschen, das mehr Leute in dieser Hinsicht wach werden, bevor man sie aufruft, nach Polen einzumarschieren um das deutsche Reich in den Grenzen von 1937 wieder zu errichten. Ich denke, manche würden ziemlich blöde dreinschauen, wenn sie wüßten, wohin die Reise geht …



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