Volkswirtschaft

Das neue Deutschland

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Nahezu nahtlos an meinen Artikel über die Glückspropaganda des Spiegel könnte man hier nahezu vollständig einen Artikel des Manager-Magazins vorstellen: Deutschland braucht ein neues Geschäftsmodell.

Der Autor Henrik Müller, stellvertretender Chefredakteur des Magazins, ist wohl nicht von aktuellen Wahlterminen in seiner Meinungsbildung beeinflußt und zeichnet ein düsteres, aber nichtsdestotrotz sehr logisches und folgerichtiges Bild von den Dimensionen der Krise – allem Aufschwungsgetöse zum Trotz.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,620531,00.html

Die Szenarien sind erschreckend. Bis zu einem Drittel des Umsatzes und bis zu 45 Prozent der Jobs in Deutschland stehen in manchen Branchen auf dem Spiel.
Selbst wenn es nicht ganz so schlimm kommt: Ein spürbarer Aufschwung ist nicht in Sicht. Auch der Internationale Währungsfonds hält jetzt eine lange, schwierige Dürrephase ähnlich der Großen Depression der 1930er Jahre für möglich.

Na, das wird die Kanzlerin nicht gerne hören. Und die erfolgsverwöhnten deutschen Manager erst recht nicht, die mit ihrem übersteigerten Selbstbewußtsein diese Krise für einen kleinen Betriebsunfall halten,
den man mit deutschem Tatendrang, deutschem Fleiß und deutscher Gründlichkeit locker überstehen kann.
Denn die Wirklichkeit läßt sich auch durch noch so viel Tatendrang und Überheblichkeit nicht wegreden, nicht wegbefehlen oder wegbeten … um auch die Methoden der Kanzlerin von vornherein auszuschließen:

Der Kahlschlag wird viel brutaler sein, als es bislang im Bewusstsein von Politik und Wirtschaft angekommen ist. Stattliche Großkonzerne könnten im Zuge der Krise untergehen. Dass Millionen von Arbeitsplätzen in der Industrie und in mittelbar betroffenen Dienstleistungsbranchen verloren gehen werden, scheint bereits sicher.

Wenn man sich dann noch dran erinnert, das der Aufschwung ja sowieso auch zu fürchten ist, weil dann die Inflation losgeht, sollte man doch eigentlich froh über diese Nachrichten sein. Kann man auch. Nicht weil Notzeiten drohen, sondern weil diese Krise eine einzigartige Chance bietet. Nicht für Anleger, Renditepäpste oder Politikschranzen, sondern für alle. Denn ausnahmsweise bin ich mal der Meinung des Herren vom Managermagazin:

Diese Krise fordert zum Handeln: Deutschland – neben Japan die letzte große westliche Industrienation – muss sich neu erfinden. Wir müssen eine neue Vorstellung unseres zukünftigen Geschäftsmodells entwickeln. Das heißt nicht notwendiger Weise: Deindustrialisierung. Die Antwort kann auch in einer intelligenten Re-Industrialisierung liegen. Ideen sind gefragt: Wirtschaft, Wissenschaft und Politik müssen neue Visionen entwickeln. Weil das bloße „Weiter so!“ nicht mehr trägt.

Es heißt nicht notwendigerweise Deindustrialisierung, aber schön zu hören, das auch das eine Option sein könnte. Solche Artikel wünscht man sich nicht im selten gelesenen Managermagazin, sondern auf der Titelseite von Bild, Welt, WAZ, FAZ, Zeit und in allen Nachrichten und Kommentaren: täglich, rund um die Uhr gesendet. Das wir möglicherweise wieder auf dem Weg in einen Arbeitslosen- und Bauernstaat sind, hat so noch keiner angedeutet, aber es ist doch schön zu wissen, das das eine Möglichkeit sein könnte.

Es wäre schön so etwas frühzeitig zu wissen, das so etwas eintreten könnte … vielleicht möchte man ja auch noch mal selbst gefragt werden, ob man das überhaupt möchte.

Denn auch der Herr Müller sieht in diesem Land ein dickes Problem:

Aber in Deutschland nehmen wir diese grundsätzlichen Veränderungen bislang kaum wahr. Und viele glauben: Es wird schon wieder. Wir sind gut. Dies ist eine angelsächsische Krise, die uns nur kurzfristig und eigentlich bloß am Rande trifft.

Das diese Krise unsere Gesellschaft, unser „Geschäftsmodell“ in seinen Grundfesten nicht nur erschüttern sondern auflösen wird, legt der Chefredakteur deutlich da … und ich bin geneigt, ihm zu glauben.
Immerhin redet hier nicht der Ortsvorsitzende der LINKEN in Datteln, sondern jemand, der voll und ganz in dem alten System steckt und von ihm gut profitiert.

Wenn er Bedenken hat … dann sollten wir die alle haben.

Und die Chance sehen, die sich bietet. Es müssen ja nicht nur Manager sein, die ein neues Deutschland bauen, in dem sich alle wohlfühlen und nicht mehr ständig nur ans Auswandern denken.



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