Volkswirtschaft

Geld, Leistung und Zauberei – Nachdenkliches zum Gewitteraufzug

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Draußen stürmts, regnets und bald soll´s noch gewittern. Zeit, sich ein wenig um Geld zu kümmern.
Um Geld dreht sich ja alles. Aber kaum noch einer macht sich Gedanken darüber, was das eigentlich ist, dieses Geld. Wieso auch, jeder hat was, jeder gebraucht es, alle haben zuwenig.

Geld … ist ein Tauschmittel. Hilft mir, damit ich nicht mit meinen Hühnern nach Aldi muß, um sie dort gegen Kartoffeln eintauschen zu können. Aldi gibt mir die Kartoffeln gegen lustige kleine bedruckte Scheine. Die Scheine nennt man Geld und sie gehören … eigentlich … der Zentralbank. Die Zentralbank wiederum gehört dem Staat und der wiederum gehört uns. Uns allen. Wir haben dieses Geld drucken lassen, wir bürgen dafür, das es einen Wert hat, denn an und für sich haben diese Papierfetzen keinen Wert, man kann sie noch nicht mal wie früher in Gold oder Silber umtauschen:

Das Vertrauen in Papiergeld beruhte ursprünglich darauf, dass es von jedermann jederzeit in Kurantmünzen umgetauscht werden konnte. Dieses Vertrauen war durch ausreichende Bestände an Kurantmünzen in den Schatzkammern des Herausgebers begründet und wurde durch verbale Zusicherung eines Umtauschrechtes meist auf der Banknote in Textform bekräftigt. Papiergeld, welches nicht durch Gold oder Silber gedeckt war, wurde durch gute Handelswechsel gedeckt. Während der Zeit des Goldstandards war eine solche Deckung in einigen Ländern gesetzlich vorgeschrieben.

Die Geldausgabe des heutigen Eurosystems ist im Gegensatz dazu an keinerlei Deckungsvorschriften gebunden. Die Europäische Zentralbank (EZB) verwendet unter anderem Forderungen gegenüber Kreditinstituten als Deckung. Möchten Kreditinstitute Geld von der EZB erhalten, verlangt diese zentralbankfähige Sicherheiten, zu denen sie beispielsweise Schuldtitel der öffentlichen Hand zählt. Seitens der Zentralbank besteht keine Verpflichtung, die von ihr herausgegebenen Banknoten auf Verlangen in eine festgelegte Menge Gold oder Silber einzutauschen.

(Quelle: Wikipedia)

Dieses Spielgeld wird zu Beginn an alle ausgegeben und verteilt sich dann im Laufe der Zeit, wobei sich – wenn das System krankt – bei manchen ganz viel ansammelt woraufhin andere gar nichts mehr haben:

Die Ausgabe von Geld an die Bevölkerung eines Währungsraums wird Geldschöpfung genannt. Auf einer theoretischen Ebene kann man zwei unterschiedliche Arten von Geld unterscheiden. Zum einen das Zentralbankgeld, das von der Zentralbank geschaffen oder vernichtet wird; hierzu zählt auch das Bargeld. Zum anderen Bankengeld, das durch die Kreditinstitute entsteht oder verschwindet, wobei es sich genau genommen nur um Geldforderungen handelt, die auf Bargeld lauten, jedoch ihrerseits genau wie dieses als Zahlungsmittel benutzt werden können.

Das Buchgeld … ist schon mal ein heikles Thema, denn eigentlich gibt es das nicht. Es sind nur Forderungen – Ansprüche, sozusagen – die relativ sein können. Zum Beispiel, wenn das Volk in seiner Gesamtheit sagt: hier läuft aber alles irgendwie falsch. Wenn einige ganz viel Geld horten und mehr und mehr Einfluß bekommen um noch mehr zu horten, dann bleibt für andere gar nichts übrig. Die können leisten was sie wollen – das Tauschmittel ist knapp. Es liegt eingefroren auf Konten in der ansonsten warmen Karibik.

Ein großer Fehler des Geldes ist somit, das Eigentumsrechte des Geldes übertragen werden…obwohl der Staat in seiner Gesamtheit dafür geradesteht (oder die Eu) das das Papier überhaupt irgendetwas Wert ist.
Zum Beispiel forschen viele Polizeibeamte danach, ob nicht findige Erfinder einfach eigenes Geld drucken, das dem Staatsgeld täuschend ähnlich sieht. Im Prinzip … die gleiche Note. Aber einsehbar, das das üble Folgen hätte, weil die Tauschgeschäfte unfair werden würden. Andererseits … ist die Vorstellung, Geld sei „Eigentum“ des jeweiligen Besitzers („Ich kann mit meinem Geld tun und lassen was ich will“) aus der
Geschichte und dem Ursprung des Geldes heraus völlig daneben:

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/kap1.htm#33

Wer eine Sache herstellt, ist normalerweise ihr Eigentümer, auch
wenn er sie – mit oder ohne Gebühren – anderen zur Nutzung
überläßt.
Wenn z. B. die Bundesbahn den Fahrgästen auf den Bahnhöfen
Kofferkulis zur Verfügung stellt, dann sind diese Eigentum der
Bundesbahn und die Reisenden allenfalls vorübergehende Besit-
zer. Man sollte meinen, daß dies bei dem von der Bundesbank den
Wirtschaftsteilnehmern zur Verfügung gestellten Geld genauso
wäre. Hier aber gilt – obwohl das heutige Geld eine öffentliche
Einrichtung ist – immer noch der Grundsatz, daß jeder, der einen
Geldschein in die Hand bekommt, daran „Eigentum erwirbt“.
Diese Sicht mag zur Zeit des Gold- und Silbergeldes, als Geld
noch eine Ware mit Eigenwert war, richtig gewesen sein, heute
aber ist sie anachronistisch.

Denn wenn es so wäre … wie es momentan gesehen wird … dann ist Armut und ein Zusammenbruch der Wirtschaft wie wir sie gerade erleben vorprogrammiert:

Vor allem aber kann jeder, ohne Folgen fürchten zu müssen,
den Geldschein beliebig lange aus dem Verkehr ziehen und damit
andere an der Nutzung hindern.
Übertragen wir das alles auf die Kofferkulis der Bundesbahn,
dann wird ersichtlich, daß ein Bekleben oder Bestempeln ihren
Nutzungszweck kaum beeinträchtigen würde. Könnte jedoch je-
der beliebig die Kofferkulis dem Verkehr entziehen, würden die
Folgen nicht nur einen einzelnen Reisenden treffen, der vergeb-
lich nach einer solchen Transporthilfe sucht, sondern ganze Ket-
ten von Transportvorgängen verhindern. Das Beispiel macht
deutlich, mit welchen Negativfolgen das Recht auf Geldzurück-
haltung verbunden ist.

Wenn sich also Strukturen etablieren, die uns auf unserer Südseeinsel – um ein anderes Beispiel zu nennen – alle Muscheln klauen, weil sie meinen, sie „verdient“ zu haben, dann ist klar ersichtlich, das Geld (das ja ein knappes Gut ist) nicht mehr zur Verfügung steht, um seinen Zweck zu erfüllen.

Die beste Lösung für unsere Insel wäre … wir steigen um auf Krebspanzer als Zahlungsmittel. Schlecht für die Muschelhorter, gut für die Wirtschaft, der keine Kreditklemme mehr droht.

Für Deutschland und Europa … wäre es an der Zeit zu erinnern – oder neu einzuführen – das GELD Eigentum des Staates ist. Sicher kann jeder seine eigenen Scheine malen, aber nicht darauf pochen, das wir als Gemeinschaft ständig und zu jeder Zeit Unmengen an Leistung für gehortete Scheine erringen, erst recht nicht, wenn es noch nicht mal Scheine gibt sondern nur Ansprüche auf Berge von Scheinen aufgrund erfolgreich durchgeführter komplizierter Finanztransaktionen, die außer den Beteiligten keiner mehr versteht.

Auf jeden Fall würde für solche Ansprüche in der Eifel keiner eine Kuh kaufen können.

Insofern darf man ruhig mal drüber nachdenken, sein Hoheitsrecht über Geld (sprich Banknoten und Münzen) einzufordern und – so die Bankwirtschaft weiter über die Stränge schlägt – Buchgeld für wertlos zu erklären, da es nur der Einbildung der Beteiligten entspricht.

Immerhin: der Verstand des Normalbürgers muß schon ordenlich Purzelbäume schlagen um zu verstehen, wie die Zauberer der Investmentbanken aus Nichts Vermögen vom Himmel zaubern.

Aber niemand kann uns zwingen, bei dem System zu bleiben, wenn wir merken, das für die Mehrheit der Bürger kein Tauschmittel mehr über ist, weil einige Vollhornys alles für sich haben wollen.

Das sind dann zwar die Muschelkönige der Insel, aber ich muß meine Hühner wieder in den Aldi treiben um Kartoffeln zu kriegen.

Und das kann es doch wohl nicht sein, oder?

Soviel zu dem Thema, das Geld erstmal erarbeitet werden muß um verteilt zu werden. Es wird erst verteilt, dann wird gearbeitet, damit man Leistungen tauschen kann. Und darüber, das das gerecht verläuft, wacht der Staat.

Und wenn Millionen von Kindern zu kurz kommen, dann läuft was falsch und der Staat muß eingreifen, in dem er z.B. Verteilungsmechanismen ändert und Geld wieder größeren Bevölkerungsschichten zugänglich macht.
Das ist jetzt nicht Kommunismus (obwohl man darüber nachdenken kann, das es manchmal förderlich wäre, für eine Zeit das System komplett zu wechseln – nicht für ewig, sondern nur mal für ein paar Jahre) sondern einfach nur Volkswirtschaftslehre auf einfachem Niveau.

Manche haben allerdings nichts mehr zum tauschen, weil ihnen die diversen Kriege und Reformen der letzten hundert Jahre alles weggenommen haben.

Auch hier stellt sich die Systemfrage. Auch hier wäre eine Reform denkbar, die Ackerland wieder an alle Bürger verteilt, damit die sich selbst aus der Not helfen können. Oder wir geben denen einfach so ein wenig Geld, da die Maschinen sowieso das Meiste umsonst oder ganz billig herstellen. Das erspart uns am Wochenende das Gegacker in Nachbars Garten.

Man sieht also: es ist reichlich genug da. Soviel, das Nahrungsmittel z.B. einfach vernichtet werden, weil sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt am Markt auflaufen.

http://www.sueddeutsche.de/politik/969/447704/text/

In Großbritannien verkommen jährlich mehr als vier Millionen Tonnen Lebensmittel – das kostet jeden Haushalt mehrere hundert Pfund. Die Ärmsten können sich unterdessen die Grundnahrungsmittel kaum noch leisten.

Man sieht: es ist genug von allem für alle da. Aber solange Einzelne alles für sich wollen … wächst das ganze schief, wie ein Körperteil, das alles Blut für sich beansprucht letztendlich den ganzen Körper zum Sterben verurteilt. Jede Überversorgung im Körper, dessen Blutkreislauf wie der Geldkreislauf ein geschlossenes System ist (allerdings ohne Zinsen und Kredite) führt irgendwo an einer anderen Stelle zu einer Unterversorgung.

Ergo brauchen wir nicht nur die Aufnahme der sozialen Grundrechte in den Grundwertekatalog des Grundgesetzes, sondern auch noch Maßnahmen gegen Überversorgung isolierter Strukturen innerhalb der Gemeinschaft, denn sonst wird es einfach irgendwann irgendwo ganz knapp.



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