Medienkritik

Verschwörungsphobien

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Kennt ihr das? Irgendwo passiert irgendetwas.

Dann fällt jemandem auf: Hey, moment mal, das kann so ganz nicht stimmen.

Und … nach den Iraker-töten-Kuweit-Babys-und-haben-ganz-schlimm-viele-Massenvernichtungswaffen-Lügen, dem Watergateskandal, dem Putsch vom 11.9. (Allende in Chile, vom CIA gesteuert … nicht New York, Baba bin Laden und die 19 Räuber) und den vielen Sauereien dunkler Kreise beim großen Bruder aus dem Westen ist man geneigt, ein ganz klein wenig mißtrauisch zu werden.

Also: forscht man nach. Sammelt Fakten. Wird tagtäglich mißtrauischer.

Dann, den Kopf eigentlich immer noch voller Fragen, veröffentlicht man irritiert seine Faktensammlung – eigentlich noch ohne konkrete Theorien im Kopf … und kriegt voll eins aufs Maul.

Was noch mehr irritiert.

„Dumpfnuß“, „Sackgesicht“, „Spinner“, „Dünnschißpfeiffer“, „Wurstschädel“ und ähnliche unerfreuliche Kommentare häufen sich mit großem Zorn vermischt über einem auf.

Nun … ich gehöre nicht zu denen, die sich professionell mit Faktensammeln beschätigen, habe aber oft genug solche Reaktionen beobachten dürfen.

Verschwörungsphobien.

Habe lange nicht verstanden, wo sie herkommen und warum sie eine solche heftige emotionale Reaktion hervorrufen.

Mein erster Verdacht war: das kann nur die Reaktion von „Ertappten“ sein. Doch die Kommentare waren häufig so blöd, das ich das wieder gestrichen habe. Verschwörungen verlangen eine gewisse Intelligenz,
ihnen aus induktiven Fakten auf die Spur zu kommen, sogar noch eine größere Differenzierungsfähigkeit.

Doch jetzt … bin ich einen Schritt weiter. Dank blog.de.

Dem Ort, der mir erlaubt, die „Generation Doof“ genau zu studieren.

Das ist es.

Die Leute, die ohne Blindenhund auf der Uni das Klo nicht finden, die Che Guevarra für eine slowenische Wurstsorte halten, Hitler für den ersten Bundeskanzler und Roosevelt für den Anführer der Indianer bei Little Big Horn.

Jene Leute, die sich untereinander verschwörerische Blicke zuwerfen, wenn der Lehrer ihnen erklärt, das die Erde sich um die Sonne dreht…denn sie wissen es ja besser, sehen es jeden Tag mit eigenen Augen … die Sonne geht auf, zieht über die Erde hinweg und geht hinten wieder unter und macht dann Australien warm. Sie dreht sich deutlich sichtbar um die Erde. Blöde Pauker.

Eine Blogfreundin versucht gerade, mit diesen Exemplaren eine Seminararbeit zu schreiben. Ich bete jeden Tag für sie, damit sie es übersteht und sich nicht selbst vor Verzweiflung was antut. („Halte durch!“ – möchte ich an dieser Stelle schnell noch mal zurufen).

Jene Generation Doof kann nicht anders, als auf komplexe gedankliche Strukturen mit Angst zu reagieren.

Ist wie die Reaktion einer Kuh, wenn´s donnert. Macht irgendwie Angst. Ist zu groß, zu mächtig … und zu echt, um es zu ignorieren.

Diese Angst gibt jedoch Hoffnung. Sie scheinen noch nicht so blöd zu sein, das man sie problemlos neben die Petunien pflanzen könnte, ohne das ihnen sonderlich was auffiele.

Trotz eines IQ, der selten genug Zimmertemperatur erreicht, haben sie noch genug Instinkt, zu „riechen“, wenn was stinkt. Aber nicht das Potential, auch nur ansatzweise zu verstehen, was da stinken könnte.

Das macht eine Riesenangst, denn möglicherweise ist das Problem so groß, das selbst Papa´s Konto es nicht lösen könnte.

Und darum machen sie das, was auch doofe Könige gerne taten … sie schlagen auf den Boten ein, der die schlechte Nachricht bringt und damit die Vorbereitungen zur Coctail-Party der Burschenschaft stört.

Das man durch die Tötung des Boten die feindliche Armee, deren Vorrücken er ankündigte, nicht stoppen kann … entzieht sich vollkommen ihrem Horizont.

Und man braucht auch nicht versuchen, mit ihnen zu diskutieren.

Ihr versucht ja auch keiner Kuh zu erklären, was Donner ist.

Und wenn ihr doch so mutig und unverzagt sein wollt … übt erstmal mit der Kuh. Da stehen die Chancen auf Erfolg höher.

Und glaubt nicht, das es absolut nur am Alter liegt. Die Generation Doof hat auch schon Vorbeben in meiner Altersgruppe erzeugt.

Kann man alles in der bunten Blogwelt nachforschen.

Leider.



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