Wirtschaft

Kommunismus gewinnt Kampf der Systeme!

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Es war ja mal so ein Kampf der Systeme. Ost gegen West. Der böse Kommunismus gegen den guten Kapitalismus.
Die Schlagzeilen waren seinerzeit voll von dem großartigen Triumph des Kapitalismus (bei uns damals noch soziale Marktwirtschaft) über den unfähigen Kommunismus.

Zwanzig Jahre später … wendet sich das Blatt, wie es aussieht.

Der Kommunismus ist ja immer noch aktuell in der bevölkerungsreichsten Republik der Welt. Und das scheint ja auch gut so zu sein, denn ohne ihn sieht es ja düster aus … für die Wirtschaft.

Deshalb war ich jetzt mal beim Auswärtigen Amt, um nachzufragen. Die wissen ja Bescheid, ist ja ihr Job.

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/China/Wirtschaft.html#t6

China ist inzwischen die viertgrößte Volkswirtschaft und drittgrößte Handelsnation der Welt. Trotz eines durchschnittlichen Pro-Kopf-Inlandsprodukts von über 3.272 Dollar (2008) bleibt es jedoch das größte Schwellenland wirtschaftlicher Entwicklung. Für 2009 wird erwartet, dass China Deutschland als Exportweltmeister ablöst.

Tja, die Kommunisten. Was den Sowjets nicht gelang mit ihrer Mafia, scheint in China ja zu funktionieren.
Die produzieren scheinbar Supersachen, die alle haben wollen. Und dann erstmal ihr Bankwesen:

Das chinesische Bankensystem befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase

Ist vielleicht auch gut so, denn:

Zwar leidet CHNs Bankensystem kaum unter der globalen Finanzkrise, die Realwirtschaft des Landes ist jedoch nachdrücklich betroffen. Folge der Wirtschaftskrise ist ein scharfer Rückgang des lange Zeit boomenden chn. Außenhandels.

Hauptgläubiger der Staatsbanken sind private Sparer, die bei vorerst unvollständiger sozialer Absicherung durch eigene Ersparnisse für Kosten der medizinischen Vorsorge, Ausbildung der Kinder und eigenen Altersvorsorge aufkommen müssen.

Nun, mit der sozialen Absicherung scheint das der Kommunismus noch nicht so zu haben. Aber: da wollen wir ja auch hin … zu mehr Eigenverantwortung. Das ist ja das Grundkonzept des Neoliberalismus der auf einmal … recht kommunistische Züge bekommt. Überhaupt scheint sich das Kapital mit dem Kommunismus sehr schnell angefreundet zu haben:

China bleibt auch im weltwirtschaftlichen Maßstab eine ernstzunehmende Größe. Als drittgrößte Volkswirtschaft, drittgrößte Handelsnation und mit über 1.900 Mrd. USD den weltweit höchsten Devisenreserven ist China neben Japan entscheidende Wirtschaftsmacht in der Region. Ausländische Unternehmen investierten praktisch auf stabil hohem Niveau ? 2008 ca. 92 Mrd. USD; die Volksrepublik ist damit neben den USA das weltweit attraktivste Zielland für Direktinvestitionen. Umgekehrt investierten chinesische Unternehmen im Ausland 2008 rund 41 Mrd. USD.
Rund zwei Drittel der chinesischen Exportgüter werden von ca. 300.000 ausländisch investierten Unternehmen hergestellt.

300000 ausländische Unternehmen produzieren lieber in einem kommunistischen Land und verschaffen ihm so eine unglaubliche Marktmacht, als das sie ihr Geld in einem demokratischen Wirtschaftssystem investieren.

Das ist doch wohl ein klares Bekenntnis des produzierenden Kapitals zur Herrschaft des Kommunismus, der ja infolge auch die Macht erhält, sich im Ausland einfach was dazu zu kaufen. Mit 1900 Milliarden US-Dollar Devisenreserven ist dieses Land sehr reich. Alles Geldgeschenke des Kapitals an den Kommunismus.
Besser kann man ja seine Gunst kaum erweisen, denn Kapital ist Macht. Zum Beispiel die Macht, die Kohle sofort auf den Markt zu werfen und den US-Dollar von heute auf morgen ins Bodenlose stürzen zu lassen.
Das wäre es dann gewesen mit der US-Wirtschaft, die am Tropf des Kommunismus hängt … dank der Investitionsbereitschaft internationaler Konzerne.

Aber es gibt noch mehr Absonderlichkeiten.

Besonders hart trifft die Krise die nach chn. Angaben 230 Millionen Wanderarbeiter, von denen rund 20 Millionen ihren Arbeitsplatz verloren haben

Wollen wir ja auch, aber die Hartz IV-Empfänger wollen ja nicht umziehen.

http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1172994/Wenige-Hartz-IV-Empfaenger-umzugsbereit.html

Nun, daran wird mit Sicherheit noch gearbeitet. Soviel Wanderarbeiter bekommen wir nicht zusammen, aber
Wanderarbeiter hätten wir schon gerne. Ich denke, die Bauwagenkultur wird in diesem Land eine große Zukunft haben.

Nun wird der Bildungsbürger ja sagen: Um Gottes willen, das ist ja die kulturelle Barbarei. Alles grau in grau. Doch wie das auswärtige Amt meint: weit gefehlt!

Das klassische Musikleben ist vielfältig und ? teils auch seitens einheimischer Orchester und Ballette ? auf hohem Niveau.

Theater spielt eine geringere Rolle, aber klassische Opern und die ? als teils improvisierter Dialog aufgeführte- Komödie sind weithin beliebt.

Die sich entwickelnde Jazz-Szene ist noch weitgehend auf Peking und Shanghai beschränkt. Die chinesische Popmusik orientiert sich überwiegend an Vorbildern aus Hongkong, Taiwan, den USA und Südkorea.

Chinesische Filme gewinnen immer wieder Auszeichnungen auf internationalen Filmfestivals; soweit sie in die inländischen Kinos kommen, erzielen sie dort jedoch oft weniger Aufmerksamkeit. In- und ausländische Filme bedürfen der Freigabe durch eine zentrale Regierungsbehörde, bevor sie in öffentlichen Kinos gezeigt werden können. Dies gilt sinngemäß auch für andere Sparten der Kulturwirtschaft.

Die sind nicht nur stinkereich, diese Kommunisten, die sind auch zivilisiert.

Politik, Wirtschaft, Kultur … der Kommunismus schlägt die soziale Marktwirtschaft der alten Demokratien auf allen Feldern.

Und was die an Internetzensur können, treibt bundesdeutschen Politikern Tränen in die Augen, da macht sich Neid breit, denn auch in Punkto „Sicherheit“ sind die uns über:

http://www.sueddeutsche.de/politik/641/436387/text/

Regimekritische Äußerungen sind in China nicht gestattet. Zahlreiche ausländische Webseiten wie das Online-Angebot des amerikanischen Nachrichtensenders CNN oder die Seiten von Menschenrechtsorganisationen sind für chinesische Internetnutzer gesperrt.

Auch chinesische Angbote werden kontrolliert. Berichten Webseiten über kritische Themen, werden sie blockiert. Die Seitenanbieter sehen sich gezwungen, gegen unerwünschte Suchbegriffe Filter einzurichten. Wer Begriffe wie Falungong oder Tiananmen-Massaker in die Suchmaske eingibt, erhält eine Fehlermeldung, so als sei die gewünschte Seite aus technischen Gründen derzeit nicht erreichbar.

Na, das hört sich doch gerade so an, als sei es ein Paradies für jene gesellschaftlichen Kräfte, die auch hierzulande dem Internet sehr skeptisch gegenüberstehen. Stehenden Applaus von bundesdeutschen Politikern erwarte ich bei folgenden Ausführungen:

Das Kontrollsystem in China ist staatlich organisiert. Da die großen Nachrichtenportale unter staatlicher Lizenz arbeiten, kann das „Büro für Internetpropaganda“ durchsetzen, dass Artikel, die der Regierung missfallen, gelöscht werden. Die Onlinemedien sind so gezwungen, sich selbst zu zensieren. Denn bei Zuwiderhandlung werden die Seitenbetreiber kritisiert, müssen eine Geldstrafe zahlen, die verantwortlichen Schreiber entlassen oder die ganze Webseite dichtmachen. Zehntausende Cyber-Zensoren und -Polizisten arbeiten zudem in China. In den vergangenen zehn Jahren haben sie Hunderte chinesische Internetnutzer verhaftet, heißt es in dem Bericht von „Reporter ohne Grenzen“.

Na, das wäre doch mal was. Die ganzen kritischen Nörgler einfach mal dichtmachen. Einfach mal nachfragen, China weiß, wie es geht.

Allerdings gibt es auch in China ein Problem … ein unübersichtlich ständig wachsendes Problem von Bloggern, das auch die momentan nicht in den Griff bekommen.

Doch es gibt eine Bewegung, die die chinesischen Zensurbehörden nicht gerne sehen: In China entstehen immer mehr Weblogs. 19 Prozent der chinesischen Internetnutzer haben bereits ihr eigenes Weblog, in denen teilweise versucht wird, Kritik an den Zuständen zu üben.

Also, diese Blogger sind dem Kommunismus ein Dorn im Auge. Dem Kapitalismus auch, wie ich höre.
Dabei … hat sich das Kapital doch selbst – wie man sieht – für den Kommunismus als die ideale Gesellschaftsform entschieden. Deshalb nähern wir uns denen doch immer mehr an …. gesellschaftlich gesehen.

Planwirtschaft war wohl wirklich nicht so der Hit, aber in China hat der Kommunismus es geschafft, das Effektivitätsproblem der Produktion in den Griff zu bekommen, so gut, das er für den Kapitalismus als Wirtschaftsform interessant geworden ist, ohne die Herrschaft des Kommunismus an sich in Frage zu stellen.

Daraus kann man nur eins folgern:

Der Kommunismus hat letztlich den Kampf der Systeme gewonnen.

Wir dürfen nur nicht laut darüber sprechen. Soll ja eine Überraschung werden.

Jetzt verstehe ich auch die SPD mit ihrer Agenda 2010 besser. Das Wanderarbeiterfördergesetz sollte uns einen weiteren Schritt Richtung China bringen. Ja, Links bleibt eben links.

Mir bleibt nur eine Frage über … muß ein bekennender Neoliberaler jetzt die LINKE wählen oder brauchen wir eine neue deutsche kommunistische Partei, um langfristig auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben?



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