Aus meinem RSS-Reader kopiert: Da haben wir Karl Weiss über den Ölpreis, Politik und Peak Oil: „Als Italien im Jahr 1999 den Euro als Währung einführte, lag der Aussenhandelsüberschuss des Landes bei 22 Milliarden Dollar (in US-Zählweise: ‚billion Dollar’). Seitdem hat sich die Aussenhandelsbilanz Italiens dramatisch verschlechtert und liegt heute bei –36 Milliarden Dollar [...]
Auf Facebook hat ein Schüler eine Revolution angekündigt und wurde auf dem Fuße verhaftet. Wenn man schon bei der bloßen Ankündigung hinter Gittern sitzt, wäre das doch eine ausgezeichnete Idee, wenn wir alle eine Revolution ausrufen würden. Das wäre doch mal ein finales Zeichen, 82 Millionen Staatsbürger hinter Gittern … Ein deutlicher Aufruf zur Revolution [...]
Samstag, 20.1.2012. Eifel – und das ist auch gut so, denn ausserhalb unserer kleinen, verarmten Enklave tobt der Wahnsinn. Man merkt, das Armut etwas Gutes sein kann: wo der Mensch nichts hat, wird er uninteressant für den Konzern und den Staat. Gut für den Menschen, für die Natur und das Gemeinwesen. Schauen wir doch mal genauer hin – zum Beispiel die “Unwörter” der letzten zwanzig Jahre: gegen Überfremdung durch Gotteskrieger in national befreiten Zonen wurde mittels Dönermorden eine ethnische Säuberung begonnen, die Deutschland ausländerfrei machen sollte, falls die freiwillige Ausreise nicht funktioniert. Scheußlich, oder? Da sind wir wieder mitten im NS-Regime – dabei sollte das doch vorbei sein. Schlimmer jedoch tobt der Ungeist in der Wirtschaft:
Agenturmeldung Prison-Planet: Wie immer macht Amerika mal wieder den Vorreiter wenn es um Recht und Ordnung geht. Inzwischen wissen ja die USA schon gar nicht mehr wer auf diesem Planeten kein Terrorist ist. Es gibt einfach keine Menschen mehr die nicht verdächtig wären und die Liste der Verdachtsmomente steigt exponentiell zu der rapide wachsenden [...]
Mittwoch, 16.11.2011. Eifel. Nach zwei Artikeln, die mal ein paar Perspektiven auf mögliche zukünftige Alternativen zum unnötigen, künstlich herbeigeführten Untergang der westlichen Zivilisation aufzeigten – wobei ich noch nicht letztendlich entscheiden kann, ob dieser Untergang aus boshafter Absicht oder einfach nur aus bildungsferner Blödheit herbeigeführt wird – ist es an der Zeit, den Wunsch eines Lesers zu erfüllen, konkrete, politisch umsetz- und finanzierbare Forderungen in den Raum zu stellen, die Deutschland und seine Bürger aus der Misere herausführen sollen. Misere? Nun – man braucht keinen Hauptschulabschluß für die Erkenntnis, das das Deutschland ein negatives Rating bekommen wird: dafür reicht die erfolgreich absolvierte Grundschule. Der Wirtschaftskrieg gegen die EU erreicht aktuell die gesunden Kernländer Österreich, Belgien, Niederlande und mit Frankreich sogar die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU, damit ist das Ziel der Offensive auch für Politiker ohne erfolgreich abgeschlossene Grundschule zu erkennen: die völlige Vernichtung der europäischen Volkswirtschaften steht zum dritten Male auf dem Speiseplan, anders als 1914-1918 oder 1939-1945 wird diesmal wohl auf Waffengewalt im üblichen Umfang verzichtet: man will die eigenen Immobilien nicht beschädigen und die Helfershelfer in den Nationalstaaten nicht in Bedrängnis bringen.
Dienstag, 25. Oktober 2011. Eifel. Gestern erfuhr ich, das die Welt Ende der Woche untergeht – und nicht erst 2012. Man hatte sich mit dem Mayakalender verrechnet – nicht der 21.12.2012 ist der Tag der Entscheidung, sondern der 28.10.2011. Wir wissen auch warum: treffen “wir” jetzt die falschen Entscheidungen, dann landen “wir” in einem Abgrund. Es geht um viel: die Rettung Griechenlands steht auf dem Spiel. Gut, Portugal, Spanien, Irland und Italien stehen schon Schlange, Frankreich läuft sich auch schon warm, aber darüber wollen wir jetzt mal nicht reden, solche kapitalistischen Perversionen machen nur schlechte Laune. Das wir in Deutschland überhaupt nicht mehr informiert sondern nur noch indoktriniert werden, hat seinen Grund, wie der isländische Genforscher Stefánsson in der Welt erläutert:
Donnerstag, 13.10.2011. Eifel. Gestern erreichte mich eine E-Mail mit der Bitte, einen kleinen Aufruf zu veröffentlichen. Das tue ich gern. Es geht – mal wieder – um die Organisation einer großen Massendemo. Früher ging es gegen Atomkraft, gegen Raketen, gegen Krieg. Zum Beispiel am 15. Oktober 1969 – da gab es in Washington einer der größten Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Lange Zeit waren Demonstrationen ein Bestandteil der demokratischen Kultur – sozusagen ein wichtiges Korrektiv der parlamentarischen Demokratie. Wann immer der Kurs der Regierung in Teilbereichen vom Willen des Volks abwich, sein Leben in Gefahr brachte oder seine Sicherheit tangierte, gingen die Leute auf die Straße.
Vor dreissig Jahren wusste man noch, wozu man einen Staat hat. Es war diejenige menschliche Institution, welche die Gemeinschaft vor den schweren Schicksalsschlägen des Lebens beschützen sollte: Krieg, Ausbeutung, Unterdrückung, Diktatur sollten als Erscheinungsformen menschlicher Geselligkeit der Vergangenheit angehören. Dank des darauf folgenden Friedens ließen sich durch die Erfindung der “Gemeinschaftskassen” auch gleich weitere Lebensrisiken minimieren: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Hausrat, Leben, Dummheit (also: Haftpflicht), Arbeitslosigkeit – gegen alle Bedrohungen des bürgerlichen Lebens gab es Bündnisse, nichts schien den mit allen bürgerlichen Rechten ausgestatteten Menschen noch ernsthaft bedrohen zu können, alle Schrecken der vergangenen Jahrtausende wurden vor die Tore der Stadt verbannt. Armut, Krankheit, Siechtum, Ungerechtigkeit – alles böse Geister aus den Kindermärchen. Dann jedoch … kam Wikipedia und klärte uns auf, was ein Staat wirklicht ist:
Montag, 26.9.2011, Eifel. Bei uns färbt gerade ein rötlicher Sonnenaufgang den blauen Himmel lila. Weil wir hier arm sind, von dem leben was das Land zu bieten hat und nicht zum nächsten Stau hetzen müssen (was mangels Autobahnen sowieso ein selten beobachtetes Phänomen ist) haben wir Zeit, uns das erhebende Schauspiel anzuschauen und sogar Zeit, all die Artikel zu lesen, die heute morgen von der brutalen Pleite Europas sprechen – und von den Folgen.
Brutale Pleite Europas? Nun werden viele meinen, der spinnt, dieser Eifelphilosoph. Das mag sein, zusätzlich lese ich aber auch gerne zwischen den Zeilen, weil man dort oft das findet, was man uns nicht sagen möchte. Angefangen hat meine Grübelei mit einem Artikel aus der Welt über eine jener miesen “Talk-Shows”, die ich mangels TV noch nie in meinem Leben gesehen habe:
Mittwoch, 21.9.2011. Wir atmen auf. Die Börse hat auf die katastrophalen Nachrichten der letzten Tage positiv reagiert, eine Welle der Erleichterung geht durch die Presse, woran man erkennen kann, das hier hauptsächlich Systemgewinnler schreiben. Weniger erleichtert sind die, die nicht dafür bezahlt werden, die Meinung der Kapitaleigner vervielfältigen zu dürfen.
Kein Wunder: die haben ja auch zu tun. Zum Beispiel … die Rentner. Früher, als wir noch einen Kaiser hatten, der Parteien und Wirtschaft im Zaum hielt, wurde da ja mal eingeführt, weil man eingesehen hatte, das das moderne Industrieleben zu einem frühen Ableben führt, weshalb man gnädig war: man musste nicht mehr arbeiten bis zum umfallen. Kaum ist der Kaiser fort, kommen Parteien und Verbände (alle vollbesetzt mit Mitgliedern des Fanclubs “leistungsloser Reichtum jetzt!”) und drehen das Rad wieder zurück. Da die meisten bezahlten Journalisten ebenfalls diesem Fanclub angehören und in den gleichen gesellschaftlichen Kreisen wie die Täter verkehren (kumuliert im “Bundespresseball”), lesen wir nur wenig von dieser Entwicklung in den großen Leitmedien – gut, das es die “Rentner-News” gibt:
[Video, bitte den Artikel anklicken zum Anschauen] – gefunden bei Politaia
Es gibt ja Meldungen, die Hoffnung machen. Meldungen, die zeigen, das die Elite die Welt noch nicht vollständig beherrschen. Charles Fort hatte solche Meldungen in den zwanziger Jahren gesammelt … bis heute ein Riesenerfolg. Nun sind UFO-Berichte aus den letzten Jahrtausenden nicht gerade etwas, was einen vom Hocker reißt, aber der 200 Millionen Jahre alte [...]
In einer Diktatur sagt der Diktator wo es langgeht – egal, ob es nun ein Putschistenobrist ist, ein Revolutionsführer, ein Vorstandsvorsitzender oder ein Papst. In einer Diktatur wird Wahrheit einfach so gesetzt. Wenn der Diktator sagt: “Der Mond ist aus grünem Käse!”, dann ist es die Aufgabe der Wissenschaft, nach Tatsachen zu suchen, die dies beweisen. Finden sie keine, werden sie geköpft – also finden sie welche. In einer Demokratie ist das anders. Hier werden Wahrheiten gemeinsam erarbeitet. Wie wichtig das für unser Zusammenleben ist, haben wir Deutsche schon mal erfahren. “Heute morgen hat Polen das Deutsche Reich angegriffen …” war ein Satz, der schlimme Folgen für unsere Briefmarkensammlung und unsere Kleingärten hatte – von den Folgen für unser Leben, unsere Beine oder unser Augenlicht mal ganz abgesehen. “Der Jude steckt hinter allem…” hatte schlimme Folgen für den Juden … und das System, mit dem er vernichtet wurde, hatte schlimme Folgen für alle – ähnlich wie auch das System der ARGEn nochmal schlimme Folgen für alle haben kann. In einer Demokratie darf auch der dümmste Depp Fragen stellen – auch dumme Fragen – was das Aufkommen einer Expertendiktatur verhindern soll. Was aber … wenn das Stellen von Fragen auf einmal verboten ist? Wenn es Themen gibt, an die man nicht rühren darf, weil es sonst Sanktionen gibt? Was ist, wenn man anhand der Sanktionen merkt, das aus außer den ARGEn noch andere Kontrollinstanzen gibt, die Sanktionen verhängen können?
Wissen wir eigentlich noch, was wirklich da draussen los ist? “Ja, na klar! Ich schaue doch Nachrichten!” – schmettert mir die Nachbarschaft geschlossen entgegen. Jedenfalls sollte sie das tun, wenn man Wirtschaft, Journalismus und Politik fragt. Das ist unsere Rolle als Konsumenten: konsumieren, was vorgesetzt wird:
Die: “Ehec kommt von der Gurke!”
Wir: “Hurra!”
Die: “Ehec kommt vom Biohof!”
Wir: “Hurra!”
Die: “Ehec kommt vom Bockshornkleesamen aus Ägypten!”
Wir: “Hurra!”
Ist ja so ein bischen Bananenrepublik hier – jedenfalls, wenn man näher hinschaut. So zwischen Fussball und Tittytainment, Werbung und Promihochzeit schimmert manchmal etwas durch. Offiziell sind wir Demokratie, das Volk ist König. Im Alltag merkt man: der König scheint revolutionären Gesellen zum Opfer gefallen zu sein, er wird belogen, betrogen, ausgenommen wie eine Weihnachtsgans und im Falle der Leistungsminderung der Alter, Krankheit, Scheidung oder Kinder einfach verharzt. Ich schaue nun kein Fernsehprogramm – seit über sechs Jahren bin ich da Abstinent. Ich empfinde die Bilderwelten als Körperverletzung – und die offensichtliche Manipulation als Unverschämtheit, vor allem, weil sie so offen und für jedermann klar erkennbar stattfindet. Persönlich finde ich keinen Gefallen daran, das man mir öfffentlich demonstriert, für wie doof man mich hält. Wie doof der Deutsche wirklich ist – jedenfalls für den AWD – äußert Karsten Maschmeyer in einem Bericht des Magazins Panorama vom NDR:
An manche Daten erinnert man sich jahrhundertelang. Während der Tag abläuft, ist eigentlich alles normal. Nichts deutet darauf hin, das der Tag so eine Gewalt bekommen wird – jedenfalls nichts im Alltag der Nordeifel – aber später, im Auge der Historiker – wird aus dem Tag ein weltbewegendes Datum größter Wichtigkeit. Der 1.9.1939 war so ein Tag. Für uns heute begann dort der Zweite Weltkrieg, für die Bewohner Deutschlands war es damals – laut Nachrichten – ein ganz normaler Tag mit Turbulenzen an der polnischen Grenze. Wenige Tage später wurde daraus Weltkrieg. Ich weiß nun nicht, ob der gestrige Tag die gleiche historische Würdigung bekommen wird – das hängt vom weiteren Verlauf der Ereignisse sowie von dem Lauf der anderen Schuldenkrisen ab. Machen die USA in zwei Monaten dicht, dann interessiert das kleine griechische Schuldenhäuflein niemand mehr.
Der letzte wirklich echte Philosoph war Arthur Schopenhauer. Er war der letzte, der es wagte, alles Einzelwissen zu einem großen Bild zu vereinen. Seitdem – arbeiten wir anders. Wir gründen immer neue Wissenschaften, die sich immer mehr in die Details einarbeiten, aber für das große Bild interessiert sich keiner mehr. Immerhin: wer hätte als Einzelner schon den Mut, sich einer Armee von Einzeldisziplinen in den Weg zu stellen? Dabei liegt hierin gerade die große Chance unserer Zeit – wir kommen gar nicht mehr daran vorbei. Wenn wir alles Missbehagen an der Kultur nicht dem Wirken dunkler menschenfeindlicher Verschwörer anlasten wollen, dann brauchen wir eine neue Philosophie, hinter der sich Menschen vereinen können. Kapitalismus und Kommunismus waren einmal solche Philosophien, die sich in erster Linie gegen den Adel richteten (der sich aber – so steht zu vermuten – zu wehren wußte. Adel plant immer langfristig). Deshalb ist es schön zu sehen, das sich wieder einmal jemand an ein großes Werk gewagt hat – zu einer Zeit, die große Werke braucht. Francis Fukuyama, der schon das Ende der Geschichte prophezeit hat, hat ein neues Werk hervorgebracht, eine Beschreibung dazu findet man hier im Handelsblatt. Schon der Titel ist eine Provokation, spricht der doch von dem “Brutalen Kampf um die Macht”. So etwas hört der Deutsche nicht gerne.
Ich arbeite viel mit Kindern. Das hält jung – und führt dazu, das man in seiner Sprache Reduktionen vornehmen muss, um Fragen kleiner Menschen verständlich beantworten zu können. Natürlich weiß ich, das die naiven und einfachen Antworten, die man Kindern gibt, niemals der komplizierten und verschachtelten Wahrheit einer marktwirtschaftlich versorgten Demokratie des 21. Jahrhunderts gerecht wird, aber manchmal habe ich den Eindruck, das man mit einfachen Worten der Wahrheit näher kommt als mit den komplizierten Erklärungen der Parteien.
Wie erkläre ich zum Beispiel das Phänomen, das eine demokratische Regierung den Leidensdruck der Bevölkerung permanent erhöht?