Politik

Die Ukraine im Lügenkrieg der Oberschichtsmedien.

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Montag, 19.5.2014.Eifel. Haben Sie in letzter Zeit mal wieder etwas vom Dritten Weltkrieg gehört? Dem, den die Ukraine gegen Russland ausgerufen hat (siehe z.B. t-online)? Jene Ukraine, die vom CIA, vom FBI (siehe Neues Deutschland) und 400 Söldnern (siehe Spiegel) privater Militärfirmen unterstützt wird? Ja – so etwas gibt es inzwischen: Militär, dass man mieten kann. Natürlich ist das ein Unding, weil so das Gewaltmonopol des Staates ausgehebelt wird und Staaten damit  mittelfristig ihre Existenzberechtigung als Schutzgemeinschaft verlieren werden – aber man gewöhnt sich ja an vieles. Da kann also jetzt jeder Konzern einfach mal ein paar Killer schicken, die die Gemeinde aufmischen, um der Regierung die Erhöhung des Militärbudgets schmackhaft zu machen. So soll ja auch der Kosovokrieg ursprünglich initiiert worden sein – aber über so etwas dürfen wir ja heute nicht mehr nachdenken.

Worüber wir aber wohl mal nachdenken dürfen, ist der zeitliche Zusammenhang der Nachrichten. Ich rezitiere mal aus dem Gedächtnis: erst kamen ukrainische Soldaten in den revoltierenden Osten, die einfach überliefen und ihre Panzer den Rebellen übergaben (ich halte mich jetzt mal nicht an die Sprachregelung der Regierung, ich weiß auch nicht, wie die derzeit lautet). Dann war ein paar Tage lang Ruhe – und auf einmal kam eine antiterroristische Großoffensive, bei der in Odessa drei Dutzend Menschen verbrannt wurden. Bei dieser Großoffensive kam US-Material zum Einsatz – und man filmte perfekt italienisch sprechendes Soldaten. Beides kann man noch ohne großen Griff in die Geheimdienstkiste erkären – solche Jeeps können von jedem gekauft werden … und warum sollte ein Ukrainer nicht auch mal perfekt italienisch können?

Genau genommen kam die Offensive so richtig in Fahrt, nachdem CIA und FBI ihre „Beratungen“ vorgenommen haben – und  nachdem eine Bande privater Profikiller durchs Land zog (auch hier habe ich die offizielle Sprachregelung der deutschen Presse noch nicht zur Kenntnis nehmen können): auf einmal gab es viele Tote.

Und dann?

War auf einmal Ruhe im Land. Kam zuvor noch jeden Tag Nachrichten von der Front – wie erfolgreich man wieder einige Terroristen erschossen hatte – war auf einmal tagelang Stille. Jedenfalls so lange, bis sich die „Separatisten“ (offizielle Sprachregelung) meldeten, siehe Spiegel:

Nach Darstellung des Separatistenführers starben allein 90 Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU bei den Kämpfen im Südosten der Ex-Sowjetrepublik. Auch private Militärfirmen aus Polen und den USA hätten Verluste zu beklagen. Zudem hätten die Regierungstruppen acht Kampfhubschrauber sowie weitere Militärtechnik verloren. Zu den „Verlusten“ gehörten laut Ponomarjow angeblich auch 13 getötete und 12 verletzte Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA sowie vom FBI. Das behauptete er in einer von der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“ veröffentlichten Videobotschaft.

Natürlich gab es nie Geheimdienstmitarbeiter in Kiew – das geht auch gar nicht, weil die ja „geheim“ sind – so geheim wie die in Zivil gekleidete deutsche Militärmission auf Urlaubsfahrt, die versehentlich verhaftet wurde. Die können niemals irgendwo sein, weil sie ja sonst nicht mehr geheim wären – außer, sie werden verhaftet. Die große Anzahl getöteter US-Agenten könnte aber leicht erklären, warum die „Frontberichterstattung“ spontan eingestellt wurde: für so ein Debakel braucht man nicht auch noch Reklame. Da braucht die Regierung auch eine gewisse Zeit, bis sie eine Sprachregelung gefunden hat – und so lange ruht die Berichterstattung.

Nur in einem Nebensatz erfährt man eine Sensation, die der Regierung auch nicht passt:

Der Schlüssel zur Lösung des Ukraine-Konflikts liegt nach Auffassung eines Vertreters der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht in Moskau, sondern in der Ukraine selbst. Wer Russland die Verantwortung für die Krise zuschiebe, mache es sich zu einfach, sagte der Leiter des OSZE-Forschungszentrums Hamburg, Wolfgang Zellner, im WDR 5 Morgenecho.

Da fahren die mit hundert Beobachtern durchs Land – und finden keine Spur vom bösen Russen? Putin scheint unschuldig zu sein – aber dafür haben wir ja unsere Mietschreiber vom Oberschichtsjournalismus.

Neue Meldungen schrecken das Volk auf – siehe Spiegel:

Was passiert, wenn Russland die baltischen Staaten angreifen sollte? Nach SPIEGEL-Informationen diskutieren Nato und Bundesregierung dieses Szenario. Ihr Schluss: Das westliche Bündnis wäre nur bedingt zur Verteidigung in der Lage.

Während in der Ukraine US-Agenten in Massen fallen, wird hier eine neue Front vorbereitet: DER RUSSE KOMMT! – siehe Spiegel:

Die Nato könne in der Ukraine-Krise „auf jede Entwicklung angemessen reagieren“, sagt Verteidigungsministerin von der Leyen öffentlich. Intern dagegen zweifelt das Bündnis nach SPIEGEL-Informationen an der eigenen Stärke. Die Debatte über mögliche Konsequenzen beginnt.

Am Sonntag muten von der Leyens Aussagen plötzlich sehr merkwürdig an. Denn nach SPIEGEL-Information kursieren hinter den Kulissen ganz andere Einschätzungen über die Schlagkraft der westlichen Militärallianz. Einschätzungen, die wohl auch die Bundesregierung teilt. Demnach wäre die Nato im Falle eines russischen Angriffs auf die baltischen Mitgliedstaaten Lettland, Litauen und Estland kaum in der Lage, angemessen mit konventionellen militärischen Mitteln zu reagieren.

Da unsere westlichen Spin-Doktoren ihr Angstmachergeschäft im Interesse der Rüstungskonzerne gut beherrschen und wissen, dass die meisten Bürger kaum Zeit haben, ihren Alltag zu bewältigen, geschweige denn sich um Truppenstärken von Militärbündnissen zu kümmern, kann man solche irrationalen Ängste schüren. In der Ukraine war der Russe ja nicht aktiv – siehe OSZE – vielleicht erobert er aber Lettland, Litauen und Estland? Oder schickt Fallschirmjäger nach Bielefeld? Beschießt Eckernförde von See aus? Bombadiert Merkel? Man sieht – dem Russen ist alles zuzutrauen. Zeit, dass wir uns dagegen rüsten.

Am Besten machen wir es wie Hitler und greifen präventiv an.

Vergleichen wir mal die Streitkräfte Russlands und … sagen wir mal: der USA. Nur EIN Natoland von 28. Laut Wikipedia (Liste der Streitkräfe unter Bezugnahme auf CIA World Fact Book und einer Seite des österreichischen Bundesheers) verfügt Russland über 1,2 Millionen Soldaten, für deren Unterhalt und Ausrüstung 85 Milliarden Dollar zur Verfügung stehen. Die USA verfügen über 1,43 Millionen Soldaten, für deren Unterhalt und Ausrüstung 636 Milliarden Dollar ausgegeben werden können – mehr als das siebenfache Russlands. Nimmt man alle Natostaaten zusammen, so kam man im Jahre 2000 auf 4,5 Millionen Nato-Soldaten (siehe Statista).

Zudem geht man – entsprechend des Militärbudgets – davon aus, dass der Zustand der russischen Streitkräfte als „desolat“ zu bezeichnen ist (siehe Wikipedia).

Um nun ein Bild davon zu bekommen, warum „der Westen“ überhaupt in der Ukraine engagiert ist, muss man schon jenseits der großen Kaufmedien suchen – zum Beispiel bei der Jungen Welt:

Gerne wird die Ukraine im Westen als eines der »strategisch bedeutsamsten Territorien der Welt« bezeichnet. Das trifft nur aus der Sicht Rußlands zu, und auch dann nur im Rahmen seiner Defensivstrategie, aber nicht für offensive Welteroberungspläne, die westliche Kriegstreiber Moskau unterstellen. Laut dem privaten US-Nachrichtendienst Stratfor, dessen Mitarbeiter enge Kontakte zu ihren Kollegen in den Geheimdiensten wie Außenministerien der USA und anderer NATO-Länder pflegen, »hat die Ukraine für eine moderne Macht, die keine bösen Absichten gegen Rußland hegt, nur geringen strategischen Wert«. Für eine feindliche Macht stellt die Ukraine jedoch das Einfallstor in das Territorium Rußlands dar und ist somit eine tödliche Bedrohung.

»Wenn also die Deutschen keinen neuen Krieg gegen Rußland planen – und sie tun das nicht – hat die Ukraine wenig Bedeutung für Europa oder die Deutschen«, folgerte der Stratfor-Chef George Friedman in seiner Lageanalyse vom 11. Februar dieses Jahres.

Ein sehr bedeutender Satz. Der einzige Nutzen der Ukraine ist … sie ist das Einfallstor nach Russland. Gelingt es nun den Ukrainern, dieses Tor selbst zu schließen, „verteidigt“ man eben Estland, Lettland und Litauen.

Jenseits der großen Kaufmedien erfährt man auch überraschende Aspekte der Auseinandersetzung, die in den „staatstragenden“ Medien der Bundesrepublik so nicht zu erfahren sind – siehe Hintergrund:

Gegen die Region Donbass wird ein Wirtschaftskrieg geführt. In der Ukraine und in Polen sollen 60 Minen und Stahlwerke geschlossen werden. Die EU hat die ukrainische Regierung zu diesem Schritt bewogen, um der britischen und deutschen Schwerindustrie zu einem neuen Aufschwung zu verhelfen und ihr Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. In der Umgebung von Donezk sind Spezialeinheiten in der Umgebung unterwegs und töten Bergleute, die ihre Arbeit verloren haben und auf die Barrikaden gegangen sind.

Da wird gestorben, um deutsche Arbeitsplätze zu erhalten. Das erfährt man, wenn man vor Ort mit den Menschen spricht, die die Unabhängigkeit von der Kiewer Regierung wollen. Die Hintergrund-Autorin liefert auch noch andere Beobachtungen einzelner Bürger – zum Beispiel aus dem belagerten Slwajansk (siehe Hintergrund):

In einem benachbarten kleinen Café erklären sich Bewohner und ihre Unterstützer bereit, die Lage zu erklären und zu kommentieren. „Wir sind im Krieg – in einem Bürgerkrieg“, sagt Lola, die hier zusammen mit einigen Freundinnen als freiwillige Erste-Hilfe-Sanitäterin arbeitet. „Nachdem wir vor einer Woche in Charkiw Medikamente geholt hatten, stoppte uns das ukrainische Militär. Die Soldaten, die Waffen in ihren Händen hielten, sagten: ‚Wenn Ihr nicht sofort umkehrt, dann erschießen wir Euch alle – auf der Stelle‘“, berichtet Lola.

Es gibt aber noch andere Beobachtungen, die aufhorchen lassen:

Vor der Stadt sind Panzer und anderes schweres militärisches Gerät aufgefahren, über ihr kreisen Hubschrauber. In der Dunkelheit bewegten sich schwarz gekleidete, bewaffnete Männer in voller Kampfmontur durch die Gegend. Es seien aber weder Ukrainer noch Russen, meint sie. „Drei von ihnen haben uns gestoppt. Sie trugen Masken und sprachen Englisch miteinander“, so Lola weiter. Dem Akzent der Militärs und Paramilitärs nach zu urteilen, handele es sich aber nicht um Briten oder Amerikaner. Sie würden mit dem ukrainischen Militär zusammenarbeiten. „Niemand weiß, wer sie sind.“

Das Interview war vom 1.5.2014. Bestätigt wurde die Anwesenheit der unbekannten Killerkommandos dann eine Woche später vom Spiegel (s.o.).

Bestätigt wird die Einschätzung der Situation auch durch die Initiative „Faces of Ukraine“ auf Facebook. Die Journalistin Alisa Bauchina ist – finanziert durch Crowdfunding – selbst in die Ukraine gefahren und hat dort einige Interviews durchgeführt, unter anderem in Odessa – wo zwei Augenzeugen ganz andere Berichte über die verbrannten Bürger im Gewerkschaftshaus von sich geben … und von viel mehr Toten reden, von Erschiessungen, Vergewaltigungen, Folterungen und anschließender Verfolgung der Opfer durch die örtliche Polizei und zugereiste Schläger des „rechten Sektors“. Nach Veröffentlichung des Interviews am 18.5.2014 erklärte die Journalistin ihr Projekt überraschenderweise für beendet.

Ein Artikel im Hintergrund vom 5.5.2014 bestätigt die Erfahrungen der jungen Journalistin:

Die Hintergründe der Eskalationen in Odessa. Nationalistisch-faschistische Kräfte – von Kiew orchestriert – exekutierten oder erschlugen offensichtlich einige ihrer Opfer. CIA und FBI beraten das Regime in Kiew. Medien in Deutschland leisten dem rechten Terror in der Ukraine teilweise Rückendeckung.

Unter Einsatz von Schusswaffen, Gasgranaten und Molotowcocktails trieben die nationalistischen Angreifer die Menschen in das Gewerkschaftshaus, nachdem das Zeltlager abgebrannt worden war. Doch die Zufluchtstätte wurde zu einem Massengrab, als die Faschisten unter Parolen wie „lasst sie uns abfackeln“ oder „alle bis auf den Letzten umbringen!“ Feuer legten und dafür sorgten, dass niemand die Ausgänge verlassen konnte.

Was serviert hingegen der Spiegel seinen Lesern heute – nach den eindringlichen Warnungen vor dem bösen Russen, der die kleine, hilflose Nato einfach so wegwischen könnte (und es wahrscheinlich bald tut!!!)?

Eine politische Unverschämtheit der Extraklasse – siehe Spiegel:

Die ukrainische Übergangsregierung fordert von Deutschland mehr Entschlossenheit im Umgang mit Russland – und schärfere Strafen.

Oder ist es der CIA, der da spricht? Nein, der hat ja dementiert, dass er überhaupt da ist. Immerhin – der Aufruf zu „präventiven“ Maßnahmen taucht jetzt ebenfalls auf:

„Es ist auch wichtig, präventive Sanktionen zu verhängen, bevor Russland noch größeren Schaden anrichtet.“

Putin ist aber auch sowas von böse … der muss bestraft werden, bevor er überhaupt was getan hat!

Und wenn der sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen läßt, fackelt man einfach noch ein paar anti-kiewer Demonstranten ab. Irgendwann wird ihm schon der Kragen platzen.

Und das deutsche Volk, das nur etwas von dem ganzen kostspieligen Theater hätte, wenn es einen Krieg gegen Russland planen würde?

Das wird mal wieder bezahlen dürfen, nachdem es beschissen wurde. Aber: genau darum wird es ja beschissen: damit es weiter zahlt. Wie schrieb noch das Neue Deutschland?

Derweil hat der US-amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin die Erwartung geäußert, dass die Ukraine-Krise neue Rüstungsvorhaben ermöglicht. Politiker und Bürger würden »einen Schritt zurücktreten und darüber nachdenken, ob alle Fähigkeiten vorhanden sind, um sich zu verteidigen und um die volle nationale Sicherheit zu haben«, hoffte Konzernchefin Marillyn Hewson gegenüber der »Welt am Sonntag«. Jede Art von Konflikt »sollte bewirken, dass man sich fragt: Sind alle Fähigkeiten vorhanden?«

Das war am 4.5.2014. Kaum eine Woche später sind sich die Oberschichtsjournalisten einig: wir sind zu schwach und müssen aufrüsten – denn genau DAS bringt ihnen genug Geld für die eigene Pferdezucht.

Und in den Dritten Weltkrieg rutschen wir dann „einfach so“ ´rein, weil „Kiew“ es so wollte.

 



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