Politik

Die besten Aprilscherze 2014

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Mittwoch, 2.4.2014. Eifel. Na: haben Sie es gemerkt? Gestern war erster April – und ich sage gleich: es war ein sehr guter erster April. Letztes Jahr war er etwas mau, da hat es sich gar nicht gelohnt, sich an die Tastatur zu setzen, doch dieses Jahr gab es ein Feuerwerk an lustigen Meldung, die sich gegenseitig zu übertreffen versuchten. Besonders tat sich dabei Spiegel-Online hervor: den Scherzbuben war diesmal wirklich nichts heilig – aber man musste schon genauer hinschauen, um die Joke-Meldungen zu erkennen – für den normalen Bild-Leser war diesmal nichts dabei.

Da gab es doch in der Tat die Meldung, das es Mindeslohn nicht für Langzeitarbeitslose gibt. Na – merken sie den Fehler? Hört sich ganz nach Großkotz – äh – Groko – an, ist aber totaler Schwachsinn: Langzeitarbeitslose gehen doch gar nicht arbeiten. Die kriegen also überhaupt keinen Lohn! Hahaha – selten so gelacht.

Oder der Witz, dass 20 % der deutschen Schüler an Alltagsproblemen scheitern – schön wär´s. Haben Sie in ihrem Leben auch nur EINMAL einen deutschen SCHULBUS gesehen – oder wie sich der deutsche Schüler darin gebärdet? SIE WERDEN KEINE ZWANZIG PROZENT FINDEN, DIE AUCH NUR MIT DEM BUSFAHREN KLARKOMMEN … geschweige denn mit den anderen Herausforderungen das Alltags!

Die Zeit hat sich allerdings auch was zu dem Thema ausgedacht: ein echter Schenkelklopfer: angeblich sollen deutsche Schüler Probleme kreativer als der Durchschnitt lösen. Die Antagonisten „deutsch“ und „kreativ“ in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen: das hat seit hundert Jahren keiner mehr versucht. Respekt: der Aprilscherz war genial durchdacht. Und zudem: setzen Sie sich mit dem geistigen Bild im Kopf mal in einen Schulbus: Sie werden vor Lachen nicht mehr zum Luftholen kommen!

Schön auch – wieder Spiegel – die Meldung, dass ein junger US-Amerikaner für Schüsse auf das Weiße Haus 25 Jahre Haft bekam. Der war echt gut: nur auspegrägte Amerikakenner konnten den erkennen und amüsierten sich köstlich über den hintergründigen Witz. Die wissen halt, dass in den USA schon Sondereinsatzgruppen arbeitslose Wildcamper grundlos abknallen (siehe Spiegel vom heutigen Tage) – würde wirklich jemand auf das Weiße Haus schießen, so würde er die nächsten hundert Jahre nicht mehr aus den Folterkellern von Guantanamo kommen anstatt nur billige 25 Jahre Gefängnis bei Vollverpflegung zu erhalten. Respekt: der Scherz war super durchdacht.

In die gleiche Kerbe schlägt die Spiegelmeldung, dass das CIA die Regierung über ihre brutalen Folterkammern getäuscht hat. Hahahahaha … der ist ja wohl ultragut. Ohne Regierung gäbe es das weltweite Netz von Geheimgefängnissen gar nicht, in denen auch schon mal gefoltert wird, wenn man sicher ist, dass das Opfer gar nichts weiß. Und außerdem ist das: VERSCHWÖRUNGSTHEORIE. Super gemacht, der Scherz, wirklich hintergründig und fein ausgesponnen.

Sehr raffiniert ist auch die Meldung zur Türkei (wieder Spiegel): angeblich sei jetzt die CDU gegen den Beitritt Erdogans in die EU, weil er seinen politischen Gegnern gedroht hat, sie bis in ihre Höhlen zu verfolgen. Haben Sie den geglaubt? Wirklich? Wer hat den zusammen mit den USA bin Laden bis in seine Höhle verfolgt – und wer ist als Oppositionspolitikerin extra bis in die USA gemerkelt, um sich dafür zu entschuldigen, dass die Bundeswehr nicht an der Jagd auf Saddam Hussein teilnimmt? Na? Ich sehe: jetzt verstehen Sie den Witz.

Etwas fade fand ich die Meldung, dass die Griechen nochmal sechs Milliarden Euro erhalten sollen (das letzte Mal: Spiegel). In Griechenland sind sie Krankenhäuser zu, die Rentner verroten auf der Straße, die Jugend bringt sich massenweise wegen endlosem Elend um: dass da für den IWF gar nichts mehr zu holen ist, ist jedem klar. Aprilscherz – aber im Vergleich zu den anderen recht billig.

Das Handelsblatt brachte eine Meldung, auf die ich fast selbst hereingefallen wäre: angeblich haben die Allianzvertreter ausgerechnet, wie hoch der Versicherungsschaden für erschlagene Orks, verwundete Könige und verlorenen Fisch im Film „Der Hobbit“ ist. Nun – Zeit genug hätten die Laumalocher ja dafür gehabt, immerhin leben sie gut auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Blöde und gelangweilt genug dürften sie auch sein: immerhin rollen die Beiträge von selbst aufs Konto. Wäre nicht der 1. April gewesen: ich wäre darauf hereingefallen. So jedoch konnte ich mich gerade noch bremsen: auch die weißen Kragen der Versicherung sollten kapiert haben, dass es sich bei dem Film um ein erfundenes Machwerk handelt, dessen Helden und Bösewichtern man keine Versicherung verkaufen kann.

Der Brüller ist allerdings ein Artikel im Handelsblatt-Kaufhaus, den man sich auch noch für 79 Cent bezahlen lassen möchte. Hoffentlich hat niemand das Geld ausgegeben: es geht um DAX-KONZERNE, die ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN. Leute: es war 1. April! Das hätten Sie sich aber wirklich denken können. Dax-Konzerne, die Arbeitsplätze schaffen, sind so real wie kreative Deutsche oder gut bezahlte Langzeitarbeitslose außerhalb des Parlaments! Ein Riesenbrüller!

Wer aber auch wirklich einen Preis erhalten sollte, ist die FAZ. Ihr Aprilscherz war ziemlich gut versteckt. Den muss ich auch so zitieren, wie sie ihn gebracht haben – soviel Raffinesse kann ich mit meinen einfachen Worten nicht beschreiben:

Während die Pannen am Berliner Großflughafen BER kein Ende nehmen, wachsen die Baukosten immer weiter: Einem Bericht zufolge sollen sie nochmals um zwei Milliarden Euro steigen. Es werde gar erwogen, den Flughafen komplett neu zu bauen.

Die zwei Milliarden mehr – die hätte man ja noch geschluckt. So einen Umgang mit Steuergeldern – selbst in diesen Höhen – ist man gewöhnt, darum suchen ja „Unternehmer“ die Nähe zu „Politikern“, um mit öffentlichen Großbauten so richtig schön abzusahnen. Klar ist es völliger Nonsens, schlechtem Geld noch gutes hinterherzuwerfen (ursprünglich sollte das Teil 2,5 Milliarden Euro kosten … jetzt sind wir schon bei 8 Milliarden: es haben sich wohl noch mehr mit Entscheidungsträgern verwandte oder verschwägerte Unternehmer gefunden, die für viel Geld an der Ruine mitschrauben wollen ) … aber das hätte man vielleicht durchgehen lassen. Aber: dass die das ganze Teil KOMPLETT NEU BAUEN wollen … Hut ab – die Meldung hat Klasse. Das ist wirklich schon ein Idiotentest für die Leserschaft.

Die Welt wagt sich dieses Jahr ebenfalls mit einem nicht leicht durchschaubaren Aprilscherz in die Welt der Arbeitslosen … bzw. in die Welt der Medizin. Angeblich – da lächelt man schon im Ansatz – werden in Deutschland laut einer Bertelsmannstudie 9 Millionen depressive Menschen nicht ausreichend behandelt bzw. bekommen „kaum Hilfe“. Na – den haben Sie aber bemerkt, oder?

EINE GANZE BEHÖRDE kümmert sich in Deutschland um die Depressiven: die kriegen Hartz IV und Druck, wenn sie dem nicht gewachsen sind, gibt es Sanktionen PLUS folgende Obdachlosigkeit, im Anschluss an diese werden sie von Sondereinsatzkommandos der Polizei erschossen. Ach nein, das waren ja die USA … derem „erfolgreichen“  System wir uns so gerne anschließen. Und nur neun Millionen Deutsche depressiv? Das war ja wohl wirklich nur mal ganz früher der Fall, als noch Wirtschaftswunder für gute Laune sorgten.

Respekt: auch dieser Scherz gut durchdacht und geschickt gesetzt – aber leider völlig weltfremd.

In die gleiche Kerbe versucht auch Yahoo zu schlagen, erweist sich hier aber als drittklassiges Nachrichtenportal und drittklassiger Aprilscherzler: psychische Erkrankungen DURCH ARBEIT sollen enorm zunehmen. DURCH ARBEIT! In DEUTSCHLAND! In Deutschland macht Arbeit psychisch gesund! Und frei! Und glücklich! Und schützt vor Obdachlosigkeit und erschossen werden! Nein nein, der war billig und schlecht gemacht. Arbeit ist in Deutschland DIE Therapie für alle psychisch Kranken – siehe Spiegel:

Arbeit macht krank. In vielen Teilen der Gesellschaft und in den Medien ist das der Tenor. Vertreter aus der Psychiatrie, sozialen Einrichtungen, der Bundesagentur für Arbeit und Rentenversicherungen widersprechen dem aber. Auf der Fachtagung „Arbeit für psychisch Kranke“, die am Mittwoch in Berlin stattfand, diskutierten Experten über Chancen für Menschen mit psychischen Erkrankungen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei betonte Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): „Die Erschöpfung durch Arbeitsstress ist nur ein Aspekt. Arbeit schützt Menschen auch vor psychischen Erkrankungen.“

Ja: das ist DEUTSCHLAND! Das weiß jeder … und deshalb ist der Scherz von Yahoo so schlecht.

Kommen wir aber jetzt zum Spitzenreiter der Aprilscherze dieses Jahres: Putin und die Ukraine!

Hier hat die Tagesschau den Vogel abgeschossen – humorlos und dumm. Gut – die Meldung über gemeinsame Militärmanöver der Ukraine mit der Nato im Sommer zeugt von einer gewissen Mühe um das Thema „Aprilscherz“ … nur: man darf dann nicht gleichzeitig die Meldung bringen, dass die Ukraine ihre paramilitärischen Verbände entwaffnen will, weil die völlig außer Kontrolle geraten:

Am Montagabend hatte ein Radikaler um sich geschossen und dabei drei Menschen verletzt, unter ihnen einen stellvertretenden Bürgermeister der Stadt.

Das ist natürlich auch ein Aprilscherz: niemand kann in Kiew auf die mordenden Banden verzichten:

Der als gewaltbereit bekannte Rechte Sektor spielte bei dem politischen Umsturz in der Ukraine eine Schlüsselrolle.

Und wer bitte schön soll an dem Nato-Manöver teilnehmen, wenn diese Banden keine Waffen mehr haben? Also, Tagesschau: am 1.4.2015 bitte die Scherze besser synchronisieren.

Ebenso niveaulos ist der Versuch von Yahoo, den alten Joschka Fischer mit einem Handelsblattartikel aufzuwärmen, wo der jetzt – ganz in altbekannter Tradition – wieder einen neuen Kosovoeinsatz der Bundeswehr für nötig hält: PUTIN WILL DIE OSTUKRAINE – so der schlecht durchdachte Scherz. Gähn.

Besser ist da T-Online. Die haben einen Superknaller gebracht, den sie so gut fanden, dass er schon am 31.3.2014 erschien – wohl um lange genug nachwirken zu können. Also ehrlich: DEN hätte ich auch nicht lange für mich behalten können!

Wladimir Putin will auch Finnland und Georgien annektieren

 

Hach … nee, mir kommen jetzt noch die Tränen. Gut, der war einen Tag zu früh – aber dafür doppelt gut. Vorsicht, ihr Hellseher von der Telekom: im nächsten Jahr wird das kaum noch zu überbieten sein! Da muss der schon in Paris einmarschieren und Rom plündern! Aber: ich bin mir sicher, Euch wird da was Gutes einfallen! Freue mich schon jetzt!

Ach ja … der Looser des Jahres 2014 bezüglich des Aprilscherzratings ist dieses Mal Wolfgang Schäuble. Ja – unser Dauerminister, von dem ich immer noch gerne wüsste, wo die 100 000 D-Mark von dem Herrn Schreiber geblieben sind. Dienstältester Abgeordneter in der BRD, vergesslich wie ein Stück Zaunpfahl – sogar wenn es um Geld geht – und was die Scherze angeht: völlig humorlos. Gut – er hat sich bemüht: aber wir wissen ja auch, was das heist, wenn so was in einem Arbeitszeugnis steht. Hier also der Knaller unseres Dauerdiätenbeziehers, zitiert nach Spiegel:

Mit einem brisanten Vergleich verschärft Finanzminister Wolfgang Schäuble den Streit mit Russland in der Krim-Krise. Öffentlich zieht er Parallelen zwischen der Annexion der Krim durch Wladimir Putin und dem Anschluss des Sudetenlandes durch Adolf Hitler.

Oh man, Schäuble!!! Ein lahmer, alter Hitlergag – im 21. Jahrhundert. 41 Jahre Parlament – da hat man jeden Bezug zur Realität endgültig und unwiederruflich verloren, da offenbaren sich die wirklich bedenklichen Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit: man denkt, mit dem Humor der fünfziger Jahre könnte man wirklich noch groß was reißen.

Putin ist der neue Hitler. Gähn.

Dauergähn.

Und brandgefährlich. Was man im Parlament nicht so mitbekommt: „Hitler“ ist keine Beleidigung, „Hitler“ ist der Einsatzbefehl für Sonderkommandos der USA zur Exekution von Obdachlosen oder anderen unerwünschten Personen Hört man im Polizeifunk: „Achtung, da zeltet ein Hitler illegal“ oder „Achtung, im Irak (oder Syrien, oder Panama, oder Lybien, oder sonstwo) ist ein „Hitler“ in der Regierung“, kann man schon mal den Bestatter rufen.

Außerdem ist es besonders peinlich, dass der Gag auch schon am 31. 3. 2014 gebracht wurde – Schäuble hielt den selbst wohl für total super und konnte sich nicht bremsen.

Gähn.

Ultrasuperdauergähn.

Na, dass war es dann auch mal wieder in diesem Jahr – oder habe ich etwas Wichtiges übersehen?

Die waren doch klasse, oder?

Wirklich: das beste Jahr sei langem!

 

 

 

 

 

 

 

 



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