Manche von den Lesern können es wahrscheinlich nicht mehr hören, wenn es um den sinnlosen Tod der Sachbearbeiterin Irina N. (32) in der Neusser Arbeitsagentur geht. Ja es ist eine sinnlose Tat gewesen und durch nichts zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Umso mehr ärgert mich, die nicht wenige, geistlose und unangebrachte Kommentare von Usern in Foren mit sozialem Hintergrund. Jede umschriebene Sympathie für den/die Täter sind unangemessen und schaden all denjenigen, welche ihr Recht auf den Rechtsweg erstreiten, ohne verbale und körperliche Gewalt.
Aber es regt mich genauso auf, wenn diese Tat, von Medien und verantwortlichen aus Politik und Behörden dahingehend „Missbraucht“ wird, Hartz IV Empfänger und andere Leistungsbezieher pauschal als kriminell in der Öffentlichkeit zu verunglimpfen. Es erscheint mir so, dass durch Medien, Politik und Behörden der Tod eines Menschen unterschiedlich bewertet wird. Man kann den Tod eines Mitarbeiters des Jobcenters einerseits nicht beklagen und den Tod eines „Kunden“ im Jobcenter mit Notstand rechtfertigen, schon deshalb nicht, weil es sich in beiden Fällen um Menschen handelte, auch weil beide Opfer eines „Systems der sozialen Kälte“ geworden sind.
Es ist doch bemerkenswert, wenn der Tod der Mitarbeiterin des Jobcenters Neuss mit den Worten, „der Killer stach drei Mal mit dem Küchenmesser zu“ in den Medien dargestellt wird und die durch Polizisten im Jobcenter Frankfurt erschossenen Frau Schwundeck, als völlig logische Folge der Vorgänge im Jobcenter Frankfurt. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ist der Tod von der Mitarbeiterin des Jobcenters Neuss, ein Tod „erster Klasse“ und der Tod von Frau Schwundeck im Jobcenter Frankfurt ein Tod „zweiter Klasse?
Die Vorgänge in den Jobcentern Neuss und Frankfurt können wir dennoch nicht hinnehmen. Denn jeder Arbeitslose kennt die alltäglichen Abläufe in den Ämtern, wenn „renitente“, auf ihr Recht bestehende Arbeitslose, per Privatpolizei, mit Hausverboten belegt werden, mit dem Ziel sie aus den Ämtern und Behörden zu entfernen. Und dies geschieht immer öfter willkürlich, vorschnell und ungerechtfertigt, was zwangsläufig zu Spannung, zwischen Behördenmitarbeitern und „Kunden“ der Argen und Jobcentern führt und daran wird sich nichts ändern.
Ich behaupte das mit Einführung der Agenda 2010 diese Eskalation der Gewalt in der Argen, Jobcentern und anderen Sozialbehörden nur als logisch anzusehen ist, ja sie war vorauszusehen. Und die „Opfer“ der sozialen Kälte, sind auf beiden Seiten festzustellen, welche da die betroffenen Arbeitslosen sind, aber auch Mitarbeiter von Jobcenter und Agenturen für Arbeit sowie Optionskommunen.
Keiner sollte es sich zu einfach machen, Mitarbeiter von Jobcenter und Agenturen für Arbeit sowie Optionskommunen pauschal als Täter zu diffamieren und zu verurteilen. So einfach ist die Sache dann doch nicht. Hierzu möchte ich aus einem anonymen Interview zitieren, mit einer Mitarbeiterin einer Arbeitsagentur aus dem Jahr 2009.
Frau K. war damals 60 Jahre und in einer Arbeitsagentur in einem alten Bundesland tätig. Was sie zu sagen hatte, bestätigt eigentlich, wie es zur Eskalation, wie sie heute ist, kommen konnte.
Anfang:
„Sie haben angedeutet, dass Sie zahllose schlechte Erfahrungen seit der Einführung von Hartz IV gemacht haben?“ Frau K. sagt heftig: „ Nein, ich mache nicht zahllose, ich mache vor allem eine grundsätzliche, hässliche Erfahrung und das ist die Würdelosigkeit……“ und weiter führt sie aus,…….“seit eine Reform nach der anderen durch die Behörde jagt, seit es immer mehr um die Verschönerung der Statistik geht, um betrügerische Manipulationen,……., weht bei uns ein anderer Wind. Heute ist es so, dass wir ganz unmittelbar zu Mittätern beim Sozialraub gemacht werden“.
Nun, ein Zitat, was an Aussagekraft nicht zu wünschen übrig lässt und begründet, wie es zu der Eskalation der Gewalt, wie wir sie heute wahrnehmen, kommen konnte und täglich weiter vorkommen kann.
Frau K. (wie gesagt 2009) führt aus:…… „ ein Hardliner in der Behörde, der kann die Auflagen zur Kürzung von Leistungen durch Vorgaben der BA für Arbeit und der Politik nutzen, für Härte und Strenge und zum Vorführen der Kunden sorgen …. also der Punkt ist, und dass muss man einfach sagen, der Charakter eines Mitarbeiters entscheidet unter Umständen über Leben und Tod, er kann einen Suizid auslösen. Er kann jemanden depressiv machen oder einen potenziellen Gewalttäter durch Demütigung zu einer tickenden Zeitbombe machen“.
Ende:
Das was Frau K. 2009 beschrieben hat, ist bedauerlicher Weise eingetreten. Und den Damen und Herren aus Politik und Behörden wissen auch, wie von Frau K. ausgeführt, von all denen, welche die soziale Kälte nicht ausgehalten haben und den Freitod wählten. All diese Tragödien, welche sich fern ab der Öffentlichkeit bisher abgespielt haben und sich im weiterem noch abspielen werden, sind letztlich, der Preis, einer Politik der sozialen Kälte. Politiker aller Parteien und Verantwortlichen in Behörden wurden bekanntgewordene Fälle zur Kenntnis gegeben. KEINER hat je hierzu Stellung bezogen, ich betone, KEINER!
Wer verantwortlich ist, für Gewalt in Jobcentern, Agenturen für Arbeit und anderen Sozialbehörden, scheint für die Politik, Behörden und Medien festzustehen. Es ist nicht das System der sozialen Kälte, sondern Schuld sind die, welche von diesem System betroffen sind und unter diesen System leiden müssen. Mit der ausführlichen und einseitigen Berichterstattung von Gewalt in den besagten Behörden, durch „Kunden“, wird klargestellt, wer der Feind ist und nebenher Stimmung gemacht. Die Botschaft lautet: „ arbeitslos – faul und dann noch gewalttätig“.
Und da ist es nach dem Verständnis der Politik, Behörden und Medien nur ein „logischer und rechtlich nicht zu kritisieren Vorgang“, dass der EINE oder Andere „residente, faule und obendrein gewalttätige Arbeitslose KUNDE“ unter Anwendung von Gewalt zum Schweigen gebracht werden muss.
Abschließend möchte ich sagen, frage nicht nach Schuld, wenn ein Mensch zu Tode kommt, sondern hinterfrage die Ursache und ziehe notwendige Schlussfolgerungen. So lange die Politik und Gesellschaft bereit ist, ein System der sozialen Kälte weiter zu betreiben und hinzunehmen, so lange wird man mit Opfern rechnen müssen, auf BEIDEN SEITEN!!!!
Hier noch einmal ein Video zur Erinnerung, an all jene, welche nicht den Weg in die Medien gefunden haben, über die kaum einer spricht und von Politik und Behörden „verschwiegen werden.“
@Heike: Ich würde das Wort "Volk" durch "Mitmenschen" ersetzen.
Posted by Regenbogenbieger | 13. Oktober 2012, 09:49Es gibt drei Werte die jeder Mensch haben sollte…Familie, Arbeit und Volk. Den Wert ‘Arbeit’ gibt es bei uns in Deutschland, den Wert ‘Familie’ so halb den Wert ‘Volk’ kaum deswegen auch die Soziale Kälte weil jeder nur für sich alles tut und nichts für sein Volk weil es das ja “nicht mehr gibt”!
Posted by Heike | 13. Oktober 2012, 09:17dieser blog war einer der esten, die ich irgendwann vor Jahren gefunden und regelmäßig gelesen habe. Die Idee mit der Kampagne Geld einzusammeln um einige Mietmäuler (käufliche Lobbyisten) kaufen zu wollen, die eine H4-freundlichere Politik vorantreiben sollten, fand ich klasse, so wie deren Resonanz beschämend und gleichzeitig bestätigend. Ich habe dann meinen Lese- und Rechercheschwerpunkt verlegt, weil ich den Schilderungen hier emotional ausweichen wollte und bin dabei mit dem bloody thursday 30.09.2010 in S21 konfrontiert worden. Seitdem habe ich den Glauben an diese Republik verloren. Inzwischen verbringe ich Stunden mit Recherchen zur politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und der Welt und bin eigendlich nur noch entsetzt und frustriert. Persönliche Erfahrungen im sozialen Umfeld meiner Gemeinde bestätigen im Kleinen, was über das große im www zu lesen und zu sehen ist. Aufklärung täte Not, doch die Menschen sind blind, taub und gefühllos; will man eine Party sprengen, sollte an es mit Aufklärung versuchen. Nein, diese Welt ist nicht mehr zu retten! Sie ist dem Untergang geweiht. der Mensch ist in seiner Gesamtheit nicht in der Lage eine einmal eingeschlagene Richtung zu ändern ohne dass dabei die Masse draufgeht und der Rest sich über eine Zeit weiter dezimiert bis er nach Generationen zu neuen Einsichten gelangt ist – dann beginnt das Ganze von vorne – vielleicht mit leicht geänderten Nuancen. Mathematisch gleicht es einer Sägezahnfunktion ob mit steigender oder fallender Tendenz – wer weiß? solche Funktionen sind ökologischen Systemen immanent, der Volksmund beschreibt es schön bildlich mit dem letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Nein, wenn ich heute sehe, wie staatliche Organe Willkür und Gewalt gegen uns Bürger einsetzen, komme ich zu dem Schluß, dass dieses System nicht mit guten Worten zu beseitigen ist, zu manifest ist es in sich, denn die staatliche Gewalt hat auch die Deutungshoheit über Recht, Unrecht und Gerechtigkeit und verleiht dieser Deutungshoheit mit Gewalt Nachdruck. Nein, diesem System werden wir Bürger nur wie der Pest zuleibe rücken können – wohlwissen, dass wir die Quelle dafür in uns nie werden ausmerzen können, so können wir doch die Übertrager, die Verbreiter der Pest, die Ratten soweit dezimieren, dass sie keine Gefährdung mehr dastellen sollten. Noch heute erschlägt man Ratten – dessen sollten wir uns wieder einmal vergegenwärtigen.
Posted by werner | 10. Oktober 2012, 22:10Mann o Mann, dieses Gejammer!
In 2022 wird es folgendermaßen von der interstaatlichen Propaganda zu vernehmen sein:
Der Sozialstaat ist gerettet! Mußten in der beginnenden 2. Dekade des 21 Jh. noch mehrer Mrd. € für einige Millionen dieser armen arbeitslosen Geschöpfe aufgewendet werden damit diese trotz mangelndem eigenen EInkommen, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnten, so sind wir dank der Reformen von 2015 und 2020 frei von allen Aufwendungen. Seit 2015 haben die Sozialhilfeempfänger die Möglichkeit sich dank der Novelierung des Gesetzes über die stoffliche Verwertung biologischen Materials, mittels Organspende oder -verpfändung, ein Einkommen zu generieren, das sie von Bittgang zur Sozialkasse befreit. Viele Betroffene konnten von dieser Reform partizipieren und führen heute ein unbekümmertes Dasein frei aller staatlicher Hilfen. Die Reform 2022 der Sozialgesetzgebung in Kombination mit der Umweltgesetzgebung über die energetische Verwertung organischen Materials hat dazu geführt, dass heute die Sozialkassen abgeschafft werden konnten, da ab sofort kein Bedarf mehr besteht. Die wenigen, die nach der Reform von 2015 mangels, durch Krankheit unbrauchbarer biologischer Wertstoffe, nicht wieder in ein menschenwürdiges Leben zurückfanden, haben nun die Möglichkeit ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben indem sie der Solidargemeinschaft mit ihrem persönlichen Einsatz einen Dienst erweisen, der die drohende Energieknappheit vermeiden hilft, sie dürfen sich freiwillig zur energetischen Verwertung melden.
So oder so ähnlich verkauft man (wer auch immer das ist) uns Bürgern Reformen!
Posted by werner | 10. Oktober 2012, 21:37Lieben Dank an die Dresdner Sozialwacht für dieses Video,
“Die Last war zu groß”
Die Verantwortlichen sollten dieses Video täglich an ihren Schreibtischen vorfinden, dass sie zum Denken kommen.
Danke für Ihr Mitgefühl.
Mit freundlichen Grüßen
Paucker Christine
Posted by Christa Paucker | 8. Oktober 2012, 19:35Das ist die neue Freiheit, wie sie die Neoliberalen verstehen. Die Verhältnisse aus der Tierwelt werden auf die menschliche Gesellschaft übertragen, fressen oder gefressen werden, bei gleichzeitiger Zerstörung der Werte, Traditionen und kultureller Identitäten aller Völker. Alle Werte inklusive der Moral werden durch einen einzigen Wert ersetzt: Geld.
Posted by Silberhaar | 8. Oktober 2012, 18:44