Politik

Der Eurokollaps 2012: Seuchen, Genozid, Preistreiberei – und doch nur ein Vorbote der kollabierenden Weltwirtschaft

Dienstag, 24.4.2012. Eifel. Vorgestern war “Earth Day“. Ich hätte Pionier des Monats werden können. Stattdessen ist es ein Catering-Dientsleister geworden. So geht das heute: verschmutzt einer gar nichts, bemerkt man ihn nicht. Wenn aber eine Super-Umweltsau sich mal eine Biobanane kauft, kommt´s in die Zeitung. Ich kann mir kaum vorstellen, das ein Catering-Service eine erträgliche Umweltbilanz hat – auch wenn er nur Gemüse ausliefert. Irgendwie ist das doch der Hintergrund der ganzen grünen Bewegung: anstatt Energieeffizient in Hochhäusern zu leben, zersiedeln die Ökos die ganze Umwelt mit ihren Einfamilientempeln – haben aber Sonnenkollektoren auf dem Dach, die der ganzen Gegend zeigen sollen: “Wir haben´s drauf”.  Das Einfamilienhäuser an und für sich eine ökologische Katastrophe sind – darüber wird in Deutschland nicht nachgedacht. Man denkt ja auch nicht darüber nach, das Kreuzfahrtschiffe soviel Dreck machen wie 2,5 Milliarden Autos oder das allein das in aller Regel die unnütze Urlaubsfliegerei eine fünfmal höhere Umweltschädigung nach sich zieht als die gleiche Strecke mit der Bahn zu bewältigen. Insofern wäre es eigentlich den “Pionier des Monats” wert, wenn ich NICHT über den globalen wirtschaftlichen Kollaps schreiben würde, der die meisten Klimasäue in Leichen verwandeln wird. Immerhin: der Erde wird es nützen – für die Menschen jedoch wird es eine heftige Zeit werden – vielleicht sogar die letzte, die sie erleben werden.

Wie heftig die Zeit wird, merkt man jetzt schon an Griechenland. Eine Arbeitslosigkeit über zwanzig Prozent, eine Jugendarbeitslosigkeit bei fünfzig Prozent und ein kollabierendes Gesellschaftssystem, dessen medizinische Versorgung an manchen Orten nur noch von “Ärzten ohne Grenzen” aufrecht gehalten werden kann, Ärzten, die sich eigentlich um leidende Menschen aus ärmsten Flüchtlingsländern kümmern wollten, jetzt aber darum kämpfen, das die Malaria nicht wieder auf dem europäischen Kontinent Fuss fasst, weil wir sonst auch bald wieder Pest in Hannover haben. Das motiviert wohl auch die einheimischen Ärzte, ihre Arbeitskraft umsonst zur Verfügung zu stellen, weil es sonst in wenigen Monaten Seuchen ungeahnten Ausmasses in Griechenland geben würde.

Früher wäre es undenkbar gewesen, das europäische Länder tatenlos zusehen, wie die Armut nach Europa zurückkehrt, heute arbeiten sie tatkräftig an der künstlichen Verarmung des griechischen Volkes mit.

Oder schauen wir nach Portugal – dort bringt der Rettungsschirm (bzw. seine Nebenwirkungen) ganz direkt Leute um.  Infolge der “Sparmassnahmen” ist die Sterblichkeit in Portugal um 20% gestiegen. Das kann man schon einen Genozid nennen: die Massenvernichtung von Leben, für das wir kein Geld mehr ausgeben möchten. So etwas lässt sich auch in Zahlen ausdrücken, die jeder versteht. Der portugiesische Rentner bekommt eine Rente von 300 Euro – im Durchschnitt. Infolge der Sparmassnahmen im Gesundheitswesen zahlt er für einen Krankenhausbesuch 20 Euro, für weitere Untersuchungen (wie z.B. Röntgenaufnahmen) 50 Euro.

Das würde auch reichen Deutschen weh tun. Gut, der Artikel kommt aus den USA – man regt sich dort auch über die Horrorspritpreise in Europa auf. Fast acht Dollar pro Gallone kostet der Sprit hier, während die gerade im Schnitt bei 3,80 Dollar liegen – das wären umgerechnet ca 75 Cent pro Liter. Das wären Preise, die die deutsche Wirtschaft und die deutschen Familien sehr entlasten könnten – wenn man sie ihnen gönnen würde.

Tut man aber nicht.

Erst recht unheimlich wird es, wenn man nach Spanien schaut. Spaniens drei größte Banken sind fast doppelt so groß wie der Rest der Wirtschaft … und haben dicke Probleme. Spaniens Wirtschaft schrumpft … und seine Arbeitslosenzahlen sind die höchsten in Europa – sie liegen noch über denen von Griechenland.

Damit sind die Probleme Europas aber noch nicht zuende. Wir haben die Rückkehr längst besiegt geglaubter Seuchen zu verzeichnen, Alter wird zunehmend immer früher wieder ein tödliches Risiko und wir erleben eine Preistreiberei wie zu Zeiten großer Weltwirtschaftskrisen – eine Preistreiberei, die nur noch durch immer mehr “frisches Geld” überdeckt wird – und dabei haben wir noch gar nicht über Italien geredet. Italien hat die gleichen Probleme wie Griechenland, Portugal und Spanien – ist nur größer als alle drei zusammen. Sinkende Wirtschaftsleistung, steigende Arbeitslosigkeit, schrumpfende Wirtschaft: der altbekannte Teufelskreis geht auch dort um.

Insofern kann es nicht verwundern, das es Stimmen gibt, die den Zusammenbruch der europäischen Union für Mai/Juni diesen Jahres erwarten – mit guten Argumenten. Man erfährt dort nebenbei, das Griechenland neben den bislang in deutschen Medien abgehandelten Schulden nochmal ungedeckte Verbindlichkeiten in Höhe von 800% des BIP hat. Noch bedrochlicher sind aber die “Hebel”, Hebel, die die Krise überhaupt erstmal ausgelöst haben. Hatte die Lehmanbank noch 30 Dollar pro Dollar echtem Kapital verliehen, liegt die Quote für die EZB, die allen Schrott aufkauft, den die Bankenwelt sich ausgedacht hat, schon bei 36:1. Die ganze Eurozone hat eine Quote von 26:1, die Bankenwelt der USA von – überaschenderweise – 13:1.

Die deutschen Banken?

Liegen mit 32:1 deutlich über dem katastrophalen Lehmanlevel.

Aber wir retten alle.

Das man unter diesen Umständen in den USA einen massiven Kollaps der Eurozone erwartet, verwundert kaum noch – allerdings sieht es in den USA selbst nicht viel besser aus.

53 % der Collegeabsolventen sind unterbeschäftigt oder arbeitslos, die Anzahl der Städte und Gemeinden, die unter ihrer Schuldenlast zusammenbrechen, wächst weiter so wie auch die Zahl der Zwangsversteigerungen. Geht es um die Staatsschulden, wird es noch schlimmer. Insgesamt 160 Billionen Euro Schulden haben Unternehmen, Privatpersonen und Regierungen weltweit aufgehäuft, Regierungen allein liegen bei 40 Billionen – wovon die US-Regierung mit 14 Billionen mehr als ein Drittel zu verantworten hat.

Gegen diese Schuldenlawine sind auch die 18 Billionen Dollar, die die globale Elite in Steuerparadiesen angehäuft hat, nur ein Tropfen auf dem heissen Stein – aber man versteht auf einmal, warum sie diese ausgeprägten Fluchttendenzen hat. Wie es aussieht, werden wir dem totalen Zusammenbruch, der laut einer Studie des renommierten MIT im Jahre 2030 droht, überhaupt nicht mehr entkommen können.

Das wird Milliarden von Menschen das Leben kosten.

Auch das ist nicht weiter verwunderlich, denn auf jeden Politiker, der etwas an den Verhältnissen ändern möchte, kommen tausend Lobbyisten, Anlageberater, Auto-, Reise- und Versicherungsverkäufer, Investmentbanker, Anwälte und Unternehmensberater, die die Schuldenblase noch weiter anfeuern und dafür von den Medien umfangreich als “Leistungsträger” gewürdigt werden, anstatt das man sie als Totengräber der menschlichen Zivilisation anklagt.

Für die Erde jedoch wird dies ein Segen sein.

Man wird merken, das es ihr ohne Catering-Service noch besser geht als mit grün angehauchtem Catering-Service.

Das Leben an sich wird neue Wege finden, sich auszudrücken – und intelligente Käfer der Zukunft mögen die Reste unserer Städte für sonderbare Felsformationen halten (für die sie tolle vernünftige Erklärungen haben werden) und das plötzliche Aussterben der haarlosen Riesenaffen einer Klimaveränderung zuschreiben, die der Einschlag eines Riesenmeteors verursacht hat.

Das ist für uns auch weniger peinlich als wenn man sich die Geschichte erzählen würde, wie wir wirklich untergegegangen sind: aus Faulheit, Dummheit und Niedertracht – und weil wir mit dem Konstrukt “Konzern” unsere eigenen Weltuntergangsmaschinen gebaut haben.

Ein wenig ähneln unsere Konzerne ja auch in der Tat den ausgestorbenen Dinosauriern: sie werden immer größer, fressen immer mehr, bis sie letztlich alles aufgefressen haben, was sie zum Leben brauchten. Dinosaurier hatten nur keinen Staat, der sie dann auffangen musste, noch Banken, die ihnen Heu und Fleisch zwischenfinanziert haben.

Man sieht: hätte ich das nicht geschrieben, dann hätte ich Chancen gehabt, Pionier des Monats zu werden.

Ich kann aber nicht ruhig zusehen, wie Menschen umgebracht werden. Heute sterben in Portugal wieder ein paar, die ohne Sparpakete noch leben würden – und gerade heute wird bekannt, das die Deutsche Wirtschaft auch in Deutschland höhere Mortalitätsquoten fordert – also: mehr Sparmaßnahmen.

Wir sind schon mitten drin im Kollaps – wir nennen es nur anders.

Darum ist es auch letztendlich egal, ob man was drüber schreibt oder nicht, denn wie es aussieht, wird die Marktwirtschaft es in der Tat schaffen, die Menschheit von der Erde zu tilgen – auch ohne Weltkrieg mit der SOZ.

 

 

 

 

 

 



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