Leben

Das Böse

Sonntag, 26.2.2012. Eifel. Ich habe das Glück, in einer Gegend zu wohnen, die vom Bösen ziemlich unangetastet blieb. Keine Hexenverbrennungen, 150 Jahre lang keine Morde, keine Nazis – ein faszinierendes Stück Welt, das die höchste mir bekannte Dichte an Gebetsheilern in Deutschland aufweist. Ob da ein Zusammenhang besteht, kann ich nicht sagen. Hier jedenfalls empfiehlt der Arzt noch den Wunderheiler, weil er selbst zwar keine Wunder wirken kann aber bei der Heilung von Krankheiten nicht auf sie verzichten möchte. Nun ist heute Sonntag – ein Tag, der sich gut zur Besinnung und Besinnlichkeit eignet – ein guter Tag, um sich einmal mit dem Bösen auseinander zu setzen. Immerhin: wir Menschen als Menschen haben keinen anderen Feind als das Böse, würde es nicht existieren, hätten wir keine Probleme, alle würden satt und geborgen im Wohlstand leben können.

Natürlich kommen wir scheinbar zuerst nicht um eine Begriffsdefinition herum – erst recht nicht, weil der Autor dieser Zeilen dereinst Philosophie studiert hat. Und doch – müssen wir hier erstmal auf eine Definition verzichten, denn: das Böse entzieht sich dem Verstand. Es ist kein Element der menschlichen Begriffswelt noch etwas, das sich intellektuell erschließen ließe, sondern etwas, das wir unmittelbar aus der Erfahrung heraus erkennen. Aus eigener Anschauung weiß ich das aus der Arbeit mit Kleinkindern, die unter frühkindlichen Autismus leiden und der menschlichen Sprache kaum mächtig sind … aber wann ein Tier “böse” wird, das können sie schnell formulieren.

Besser als kleine autistische Kinder können das natürlich Erwachsene beschreiben, die dem Bösen leibhaftig begegnet sind – das kann man in der Tat, wie es der Gerichtspsychiater Hans-Ludwig Kröber in der Zeit beschreibt:

 Für mich ist das Böse eine Wahrnehmungskategorie, eine Form des unmittelbaren Erlebens. So wie wir spontan etwas als schön oder eklig empfinden, so erleben wir auch ein bestimmtes Handeln – ob wir es wollen oder nicht – als böse. Im Angesicht des Bösen sind wir fassungslos, empört, die Welt ist aus den Fugen – weil jemand sie bewusst zerstört. Das gilt selbst dann, wenn man eine solche Tat später als Gutachter nachzuvollziehen versucht; häufig beschleicht einen da ein gewisses Kältegefühl, ein ungutes Kribbeln.

Sendeformate wie das “Dschungelcamp’” zeigen, das wir eine allgemeingültige Kategorie des Ekeligen in uns tragen, ohne das Ekelige zuvor intellektuell definiert zu haben. Für Liebe und Lust gilt das Gleiche – auch hier bedürfen wir nicht der philosophischen Definition, um zu verstehen, was gemeint ist … ebenso wenig wie bei dem Thema Gerechtigkeit. Doch lauschen wir weiter dem Gerichtspsychiater:

Aber das Böse ist umso augenfälliger, je eindeutiger es darauf abzielt, ganz bewusst das Schöne, das Heile, das Kindliche, die Zukunft zu zerstören.

Um über das Böse reden zu können, muss man es erst erlebt haben – so wie Eugen Sorg, der als Mitarbeiter des Roten Kreuzes und als Journalist Gegenden bereiste, wo das Böse triumphierte:

Ich arbeitete sieben Jahre lang in einer Kriseninterventionsstelle gegen Kindsmisshandlung. Später war ich als Delegierter des IKRK in Kriegsgebieten tätig. Zuerst im Südsudan, dann im auseinanderbrechenden Jugoslawien.Wir konnten mit Gefangenen reden, unter vier Augen. Dort bin ich zum ersten Mal mit extremer Grausamkeit und Mitleidslosigkeit konfrontiert worden. Mit Menschen, die kein schlechtes Gewissen beim Töten haben. Die ganze Atmosphäre ist erfüllt gewesen mit unvorstellbaren Blutgeschichten, Erzählungen von extremer Grausamkeit.

Leider erfahren wir Normalbürger im Westen nichts von diesen Exzessen.

Die westliche Welt will sich ihr Gärtchen bewahren, ihre Vorstellungen von einer heilen Welt. Journalisten sind nicht anders als die übrigen Leute, vielleicht sogar ein wenig ideologischer.

Wir wollen nichts von dem Bösen wissen … dabei ist es mitten unter uns:

Das Böse ist eine Versuchung, die umso stärker lockt, je grösser die Chance ist, dass man nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Das Böse ist das Extrem der Freiheit. Es geht um das Gefühl der Allmacht, dass man alles tun kann, was man will. «Ich habe Gott gespielt», sagte ein Krankenpfleger, der 24 Patienten ermordet hatte. Der Pfleger oder Arzt, der sich zum Herr über Leben und Tod seiner Pflegebefohlenen macht, der islamistische Selbstmordattentäter, der sich auf einem Markt oder in einem Strassencafé in die Luft sprengt: Es handelt sich um einen Akt der Selbstvergottung, um eine absolute Ego-Ekstase. Oder auch die jungen Leute, die ich in dem Buch erwähne, die in der Schweiz und in Deutschland ohne Not oder Affekt Menschen ermordeten oder zu Tode traten: Sie wähnten sich allmächtig und gehorchten nur dem einen Gesetz der unmittelbaren Erfüllung ihres Begehrens.

In der Tat könnten wir jeden Tag Opfer des Bösen werden … und werden es sogar. Wir erkennen es nur nicht immer, weil wir verzerrte Bilder des “Bösen” im Kopf haben – ein Blick nach Ruanda konnte da aufklären:

Bei diesen Gesprächen wurde deutlich, dass die Mörder keine sadistischen Psychopathen waren, sondern normale und intelligente Menschen, für deren Handeln es keine andere Erklärung gibt, ausser einer: Sie haben den Pakt mit dem Teufel geschlossen. Weil er ihnen Rausch und Lust und Vergnügungen verschaffte und weil sie glaubten, ungestraft davonzukommen.

“Rausch”, “Lust”, “Vergnügen” … an der Verstümmelung von Kindern mit Macheten. Macht schon Spaß, ihnen Arme und Beine abzuhacken und zuzuschauen, wie sie von Hunden gefressen werden, oder? Man braucht solche Bilder, um die Dimensionen des Bösen zu begreifen. Dabei ist es wichtig, das unsere Generation die Realität des Bösen begreift, eines Bösen, das sich in der Tat zeigt und nicht in der Person des bösen Psychopathen. Leider sind wir weit entfernt von solchen Erkenntnissen:

Ja, und das hat es noch nie zuvor gegeben, dass eine ganze Kultur das Böse als fehlgeleitetes Gutes, als reaktive Verhaltensweise, als Kinderglauben abgetan hat. Das Böse wurde immer als eigenständige Kraft begriffen. Kierkegaard sprach von der «unbegreiflichen Faktizität des Bösen».

Es hilft, zu erwähnen, das Eugen Sorg kein religiöser Mensch ist, aber gern die religiöse Begrifflichkeit benutzt, um zu verstehen, in welcher Gefahr wir uns als Menschheit befinden:

Ich zitiere in dem Buch katholische Intellektuelle, die ebenso glasklar erkannt haben: Hitler ist das Böse. Die haben viel mehr verstanden als die superintellektuelle, aufgeklärte Intelligenz. Sie haben erkannt, ohne Wenn und Aber: Das ist Antihumanität, das ist Antigott.

Sie hatten haben recht behalten, die katholischen Intellektuellen. Wenn wir heute als “moderne Menschen” das Böse als Kinderglauben abtun und gleichzeitig seine Erscheinungsformen aus der Berichterstattung verschwinden lassen … was folgt daraus? Verschwindet es dann, weil wir uns als Gesellschaft die Augen zuhalten?

Wagen wir doch mal einen aktuellen Blick in die Politik – und bewaffnen uns mit einer Definition, die die bisher geschilderten Erfahrungen einschließt und nennen jenes Böse, das absichtsvolle Zerstörung und Lüge mit sich bringt – so Rüdiger Safranski bei 3Sat, hier auf Tube, wobei die Lüge hier eine neue Qualität darstellt.

Nehmen wir zum Beispiel die fortdauernde “Rettung” Griechenlands, deren Folgen gerade in der Welt beschrieben werden:

Von 330.000 Familien- und Mittelstandsunternehmen, dem Rückgrat der griechischen Wirtschaft, haben seit Mai 2010 rund 68.000 geschlossen; 135.000 Jobs gingen verloren. 2012 wird noch schlimmer, erwartet Korkidis. „Vier von zehn Mitgliedern machen Verluste. Bisher haben sie die halbwegs mit ihren Ersparnissen ausgeglichen.Aber ihre Reserven gehen zu Ende. Die Rezession vertieft sich.“ Treffen Kordidis’ Prognosen zu, geben in diesem Jahr weitere 60.000 Firmen auf.

Als Information aus der Wirtschaft sind wir solche abstrakten Daten gewohnt – praktisch heißt das: Hunger, Durst, Obdachlosigkeit … ein Elend wie in Afrika. Wir importieren Elend, anstatt es zu bekämpfen. Wie üblich, benutzt das Böse Ideologien, um seinen Trieben Raum zum Ausleben zu verschaffen: die Ideologie von den Notwendigkeiten der Marktgesetze – Gesetze, die niemals jemand formuliert noch jemals jemand beschlossen hat. Dabei geht es Griechenland in Wirklichkeit gar nicht so schlimm … hier greift aber die Lüge. Gleich der “Verschwörung des Weltjudentums” werden wir gefüttert mit Informationen über die Untermenschengriechen – dabei gibt es viele Länder die schlimmer verschuldet sind: zum Beispiel die USA. Dort jedoch gibt es keine Debatten über den Einsatz deutscher Steuerbeamte, die jetzt in Griechenland die Macht übernehmen sollen, stattdessen gibt es von dort neuen Druck auf Europa und nahezu perverse Forderungen nach noch mehr Steuergeldern, diesmal in Billionenhöhe.

Verständlich wird diese ausufernden Irrationalität nur durch den Begriff des Bösen … und wir haben dank der Literaturwissenschaft ja auch einen Ausblick auf das Personal, siehe Welt:

WELT ONLINE: In den Neunzigern wurden psychopathische Killer zum Inbegriff des Bösen. Sie erwähnen einen Satz von Patrick Bateman in Bret Easton Ellis’ Roman “American Psycho”: “Es gibt keine Schranken mehr, die man überschreiten kann.” Sagt er das auch stellvertretend für seine ganze Generation?

Alt: Dieser Satz, der eine Figur im Jenseits von Gut und Böse ansiedelt, ist sicherlich auch eine Beschreibung der postmodernen Upper-Class-Jugend der Neunziger.

Diese Upperclass-Jugend sitzt heute flächendeckend in entscheidenden Positionen. Wirklich undenkbar, das die sich “nine-eleven” ausgedacht haben, um mal wieder ungestraft fremde Länder überfallen zu können? Undenkbar … nur in einer Welt, die ihr künstliches Mediengärtchen für die Wirklichkeit hält, einer Welt, in der es kein Waterboarding gibt, keine Koranverbrennungen, keine sinnlosen Angriffskriege durch Demokratien, keine Leuna-Affäre und kein Hartz IV. Ja – so kam das Böse in die deutsche historische Wirklichkeit: durch Helmut Kohl, der dem Volk klar machte, das seine Spendenfreunde wichtiger waren als das Volk und der durch die “Bundeslöschtage” klar machte, das er alle Mittel nutzen würde, um dem Volk die Wahrheit über die Verschleuderung der Sachwerte der DDR zu verschweigen und durch Gerhard Schröder und seine Bande, die vorgaben, die Arbeitslosigkeit durch Druck auf die Arbeitslosen lösen zu wollen: Demütigung, Entwürdigung und Aberkennung der Menschenrechte inklusive.

Ja, erschreckend, oder? Wir verdrängen das Böse inzwischen so gut, das wir es nicht mehr bemerken, selbst wenn es sich vor unserer Haustür entfaltet – dabei ist es der gleiche Geist, der auch zur Hitlerzeit das Volk in die Bahnen lenkte: im Rahmen der öffentlich verkündeten Lügengespinste sind die Handlungen alternativlos.

Zeit, den Blick auf Hannah Arendt zu legen, sprachlich schwerer zu verarbeiten, aber von unglaublicher Aktualität:

Die Bedingungen für das Auftreten des radikal Bösen verortet sie in Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951 auf Englisch) im Anspruch der totalen Herrschaft, auch hinsichtlich ihrer Möglichkeiten (und nicht nur in Hinblick auf die Subsumption der gesamten Gesellschaft unter die Herrschaft) total zu sein: „Aber in ihrem Bestreben, unter Beweis zu stellen, dass alles möglich ist, hat die totale Herrschaft, ohne es eigentlich zu wollen, entdeckt, dass es ein radikal Böses wirklich geben können. Als das Unmögliche möglich wurde, stellte es sich heraus, dass es identisch ist mit dem unbestrafbaren, unverzeihlichen radikal Bösen, das man weder verstehen noch erklären kann durch die Motive von Eigennutz, Habgier, Neid, Machtgier, Ressentiment, Feigheit.“ (Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München 1996, S. 941). 

Es ist nicht die Gier, der Eigennutz, die Habgier, der Neid, die Machtgier oder andere menschliche Eigenschaften, die das Böse in die Welt rufen – und seine Folgen sind noch schlimmer als die bestialischen Quälereien, in der es sich ergießt.

Demnach war durch die Herrschaftsstruktur des Nationalsozialismus das Böse allgegenwärtig, und zielt auf die Abschaffung des Menschen als Menschen. Dabei werden nach und nach alle Menschen im Namen abstrakter Fortschrittsziele industriell vernichtet so dass nur Funktionsträgers der „organisierten Ohnmacht“ des totalitären Systems übrig bleiben. Die Funktionsträger können jederzeit ausgewechselt werden, so dass sie nur als Funktion, nicht aber als Person überleben.

Merkt man nun, wie dicht wir aktuell wieder an den Vernichtungslagern herangerückt sind, wie schnell aus “Hartz IV” “Dachau II” werden kann? “Im Namen abstrakter Fortschrittsziele” vernichtet das Böse die natürliche menschliche Solidargemeinschaft – bei uns, die wir sein Treiben schon mal erdulden mussten und deshalb sensibler reagieren sollten  - erst national, dann international. Es geht aber um viel mehr: es geht um die Vernichtung des Menschen an sich, des Menschseins, jeglicher Individualität, Kreativität, Liebenswürdigkeit – geduldet ist der Mensch in der neuen Zukunft nur, wenn und solange er reibungslos in seinem Hamsterrad läuft.

Was hier unter den schön und revolutionär klingenden Begriffen von “Reformen” aufgebaut wird, ist nichts weiter als ein noch größeres Reich des Bösen, in dem Menschen ihre Lust am Bösen hemmungslos ausleben können – solange es nur gegen Arbeitlose, Griechen oder Moslems geht. Kaum einer merkt, das die Zielgruppe der “Aussortierten” immer größer wird – in Deutschland selbst gehören schon Kinder und Jugendliche dazu: einfach mal genau hinschauen, wie “Hartz IV” sie bestraft, weil ihre Eltern von US-Beratern aus dem Betrieb wegrationalisiert wurden.

Sicher – noch bewahrt uns der staatstragende Journalist vor der Wahrheit, erschrickt und nicht mit den Konsequenzen jener Entwicklung, die gezielt alle Sicherungen abbaut, die wir – als Menschheit – nach 1945 gezielt aufgebaut haben.

Wovor er uns aber nicht bewahren kann, ist die leibhaftige Erfahrung des Bösen, wenn es wieder Rahmenbedingungen wie in Ruanda,  Auschwitz oder Guantanamo vorfindet und sich endlich wieder hemmungslos ohne Rücksicht auf persönliche Konsequenzen entfalten kann.

Was wir aber für das 22. Jahrhundert aus den kommenden europäischen Gewaltexzessen lernen können, ist mit Sicherheit eins:

das wir niemals wieder die Macht der Wirtschaft als “Fünfte Macht” im Staate vernachlässigen und unterschätzen dürfen, sie bedarf der gleichen Kontrolle wie die Gesetzgebung, die Rechtsprechung, die exekutive Macht und darf niemals die Freiheit des Journalismus für sich in Anspruch nehmen. Halten wir sie nicht im Zaum – wird es halt böse enden.

 



Kommentare

7 Kommentare zu “Das Böse”

  1. @Sil.: wir können etwas tun. Nicht wir beide, aber wir Europäer. Auch die Menschheit kann den Prozess noch aufhalten. Dazu müssen wir erstmal darüber informiert sein – und das Kind unbeschönigt beim Namen nennen: es geht darum, das das Böse die Welt verschlingt, in der wir leben. Diese Erkenntnis sollte reichen, alle Menschen zu einen, die noch nicht geistig krank sind.
    Ansonsten – gibt es den ersten nationalen Kaufnixtag, um ganz bequem zu zeigen, das man die Glasperlen nicht möchte und lieber sein Land behält.

    Posted by Eifelphilosoph | 28. Februar 2012, 10:56
  2. @Contrapropaganda: Vielen Dank für das überschwengliche Lob. Zur Philosophie kann ich sagen: wirkliche Philosophen lernt man kaum in der Universität kennen – wer dort hängenbleibt, ist mit dem Projekt gescheitert. Ich weiß von einem, der ist nur Metzgermeister, zwei weitere kantte ich persönlich (leider verstorben), die waren frühpensionierte Bergbauarbeiter. Also … bloss nicht bange machen lassen von dem Unibluff.

    Warnen möchte ich vor diesem “Reichsdeutschenwahn”. An dieser Geschichte ist kein Fleisch dran, sie ist ein gezielt von Judenmördern in die Welt gesetzter Fake, um wieder politische Macht zu erlangen. Die Geschichte ist gut gestrickt, keine Frage: aber einfach nur ein Fake. Niemand ist heute mehr ein Reichsdeutscher, weil es gar kein Reich mehr gibt.

    Das ist zerstört worden – man sagt es uns nur nicht immer so deutlich.

    Über das Produkt BRD lässt sich lange streiten – aber selbst wenn es nur eine Illusion war, so wird man dadurch kein Reichsdeutscher. Genausogut könnten alle, die links des Rheins wohnen, behaupten, das sie aktuell Römer sind, weil dort mal römisches Reich war.

    Wir bräuchten eher was Neues als Konsequenz aus den Konstrukten der Kriegszeiten – aber das alte lief ja lange Zeit ganz erfolgreich auf Demokratiekurs.

    Soviel dazu.

    Den Eifelphilosophen kann man leider nicht treffen. Er telefoniert auch nicht – mit niemanden. Ganz selten beantworte ich mal E-Mails. Der Grund ist einfach: ich habe keine Zeit. Jede Minute, die ich zusätzlich investiere, muss ich hier einsparen. Ich komme – wegen diverser privater Baustellen – momentan nur noch jeden zweiten Tag zu einem Artikel, und das nur mit Mühen.

    Mir ist das Schreiben aber sehr wichtig. Es gibt viel zu wenig Menschen, die versuchen, Ordnung in das Chaos zu bringen. Es müssen noch viel mehr werden – sonst sehe ich für meine Kinder schwarz.

    Posted by Eifelphilosoph | 28. Februar 2012, 10:42
  3. Mir ging der Artikel schon die ganze Zeit durch den Kopf. Ich möchte meine Meinung manchmal niemandem mehr zumuten. Das was ich da wieder lese und mit den Problemen mit denen ich mich als Gärtner, Umweltschutztechniker und einfach als Mensch mit einigen unschönen Lebenserfahrungen befasse ist zusammengenommen oft mehr als genug.
    Momentan muss ich auch erstmal meinen Körper von Umweltgiften entlasten, das habe ich vernachlässigt- aber ich kann in dieser wahnsinnigen Welt nur meinen Lebensunterhalt verdienen, wenn ich körperlich leistungsfähig bin.
    Wenn man seit Jahren versucht in seinem Fachbereich Menschen zu sagen, dass etwas gewaltig schief läuft, dann bemerkt man auch, dass unbequeme Themen völlig abgelehnt werden.
    Natürlich kostet es Kraft etwas im eigenen Leben zu verändern.
    Wenn ich das dann jetzt noch so deutlich und klar lese, wie die “schwarze Pädagogik” arbeitet, dann gehen mir die Augen wieder ein Stück auf, warum es so anstrengend ist manchen Menschen etwas bewusst zu machen.
    Ich kann das jetzt zumindest verstehen.
    Es nützt aber nichts. Das führt irgendwann dazu, dass wir durch solche andressierten, auf Unwahrheiten und Herrschaftsdenken begründeten Denk- und Verhaltensweisen, das bisschen Biosphäre zu der wir gehören und zu der wir zählen vergiften und “krank” machen.
    Eine Gesellschaft kann das eine zeitlang puffern, genau wie ein Bankkonto oder ein Mensch oder anderer biologischer Organismus, eine “Umwelt” oder ein Glas Wasser in das man Zucker löffelt.
    Irgendwann ist ein Schwellenwert erreicht an dem die Übersättigung, bzw. Untersättigung Konsequenzen für das gesamte System hat.
    Entschuldigung, ich kann es nicht viel besser ausdrücken.
    Es ist schlimm zusehen zu müssen was in dieser Welt vor sich geht und nur wenig tun zu können.

    Danke.

    Posted by silv. | 27. Februar 2012, 17:22
  4. BRAVO Eifelphilosoph!!! Meine Hochachtung.
    Mal wieder ein Artikel, der mir absolut aus der Seele spricht und dem m.E. nichts weiter hinzuzufügen ist.
    Ich muß sagen, das ich mich in den letzten Monaten zunehmend aus meinem Weltbild gerückt (worden) sehe. Das liegt wohl daran, das mir, aufgrund eigener Recherchen, hauptsächlich im Internet, bestimmte Wahrheiten zuteil geworden sind, die ich vormals als absolut Böse erachtet habe. Dieses Böse, was offenbar auch ich, wie ich mir nun sicher bin, vormals als Kinderglauben abgetan habe. Nein, ich fühle mich wie in eine parallele Realität katapultiert. In DIE Realität, die im Hintergrund der uns (kleinen Funktionsmenschen) vorgegaukelten “Realität der heilen Welt” stattfindet. Die uns im Interesse der sog. Eltie, nicht gewahr werden (soll).
    Mir ist sie gewahr geworden. Wohl deshalb, weil ich das eigene Denken par tout nicht abstellen kann. Asche auf mein Haupt, liebe Obrigkeit – und danke, das ihr es noch nicht geschafft habt, die orwellsche Gedankenpolizei in ihrer ganzen Boshaftigkeit, Wirklichkeit werden zu lassen. Denn sonst hätte ich sicherlich schon längst irgendwann, ganz unverhofft die Kugel in meinem Hinterkopf verspürt.
    Nein, im Ernst, seit geraumer Zeit hatte ich schon dieses unbestimmte, tiefe Gefühl, das irgendetwas nicht stimmt. Ich konnte es mir nicht erklären und ich konnte es auch Anderen nicht erklären. Aber ungeachtet der Tatsache, mich zunehmend der schiefen Blicke derjeniger ausgesetzt zu fühlen, die eben NICHT (mehr) des eigenen Denkens mächtig sind, weil sie es sich schon längst haben abgewöhnen lassen – naja, ist ja auch um einiges bequemer, denken zu lassen – konnte ich nicht anders, als diesem “Instinkt” zu folgen. – Irgendwas stimmt nicht, was kann es nur sein?
    Nun ja, ich bin nun mal halt so ein Querulant, der nicht stillhalten kann, bis das das Verborgene offenliegt. In der Folge ich auch in meinem Leben immer und immer “irgenwo” anecke. Irgendwie kann ich nicht anders und ich nehme das in Kauf.
    Leider durfte ich nie eine philosophische Bildung, gar ein Studium dieses mir hochgelobten Fachs, in Anspruch nehmen. Auch ich bin schon früh in meiner Grundschulzeit, welche nun auch schon einige Zeit zurückliegt, ich werde in wenigen Wochen 40 Jahre Jung, in meine gesellschaftlichen Schranken und zum Hauptschüler verwiesen worden. So mußte ich mir halt in mühsamem Selbst”studium” und in vielen Jahren (nach meiner Schulzeit) selbst aneignen, selbständig (also selbst und ständig) zu denken, um mir auf diese Weise zu den ganzen Antworten, die mir so tagtäglich widerfahren, die richtigen Fragen zu stellen.
    Wie will man dieses bewerkstelligen, wenn nicht mit Hilfe der Philosophie? Und wie will eine Gesellschaft zu wahrer Erkenntnis gelangen, die von dieser wohl wichtigsten und grundlegensten aller Lehren schon von frühester Kindheit an systematisch ferngehalten wird, ja diese sogar als eher befremdliche und zu belächelnde Form seine Zeit zu verschwenden, vermittelt bekommt. Ein Nintendo ist da ja wesentlich Sinnhaltiger.
    Naja, der langen Rede kurzer Sinn, nun bin ich aufgewacht. Bin mir nun der tatsächlichen Rechtslage der Bundesrepublik in und für Deutschland bewußt. Ich bin Reichsbürger, wer hätte das gedacht. Der Euro, ein öffentliches Zahlungsmittel – mit einem Copyright versehen, alles Lug und Trug. Die Rettung des selbsn, eine öffentliche Inszenierung zum Zwecke der Umverteilung des Volksvermögens in die Taschen von einer Hand voll Bankenpsychophaten. Einer Enteignung gleichkommend. Die ganze Gesellschaft dank Jahrzehntelanger Volksverdummung, geistig so degeneriert, das sie sich gar nicht mehr dagegen wehren KANN, weil es kein Mensch mehr versteht, was da überhaupt vor sich geht.
    Ist Unwissenheit vielleicht doch ein Segen? Wie war das noch mit der roten und der blauen Pille…?
    NEIN – mit diesem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden! Nicht wirklich.
    Eifelphilosoph, Du schreibst mir wahrlich aus der Seele. Ich würde mir glatt wünschen, einen gelegentlichen Gedankenaustausch mit Dir im Offline-Modus wahrnehmen zu können. Mein unbändiger Drang zur Wahrheit würde dies erfordern, um meine Fragen, die ich zu den gegebenen Antorten gefunden habe verifizieren und mein philosophisches Verständnis vertiefen zu können.
    Wo kann man schon noch einen “echten” Philosophen “treffen”, in der heutigen Zeit?
    In diesem Sinne wünsche ich (nochmals) Glückwunsch zum 3jährigen Bloggerjubiläum und das Du der Netzgemeinde noch lange erhalten bleibst, mit Deinen mit spitzer Feder und feiner Ironie geschriebenen Beiträgen, die den Nagel so punktgenau auf den Kopf treffen.
    Danke!
    Schöne Grüße in die Eifel aus der Voreifel…

    Posted by Contrapaganda | 27. Februar 2012, 03:45
  5. zitat: Das Sozialstaatsmodel habe ausgedient, ist die Meinung von Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Allerdings, durch Sparsamkeit die Wirtschaft in Schwung bringen funktioniert etwa ebenso gut wie durch Enthaltsamkeit die Geburtenrate zu erhöhen. Trotzdem spricht sich Draghi für ein Fortführen des Sparkurses aus. Sogar Kanzlerin Angela Merkel und auch der italienische Premierminister Mario Monti scheinen mittlerweile erkannt zu haben, dass Kaufkraft der wichtigste Schlüssel zur Konjunktur ist. Wohin der ehemalige Goldman-Sachs-Manager den Euro zu führen plant, ist ungewiss. Zum Wohle der Europäer scheint sich die Lage jedoch keinesfalls zu entwicklen.

    ende zitat von
    > http://www.theintelligence.de/index.php/wirtschaft/kommentare/4069-ezb-chef-fordert-den-todesstoss-fuer-die-wirtschaft.html

    ——-

    und zur schwarzen pädagogik eine schöne empirik unter:

    > http://www.weisse-rose.net/?p=148

    auszug: Inglis gliedert die Absicht – die tatsächliche Absicht – der modernen Schulausbildung in sechs elementare Funktionen, von denen jede ausreicht, um die Haare der Unschuldigen zu Berge stehen zu lassen, und um die drei, zuvor aufgelisteten, traditionellen Ziele zu glauben:

    1. Die verstellbare oder anpassungsfähige Funktion. Schulen müssen feste Reaktions-Gewohnheiten gegenüber Autoritäten etablieren. Dies schließt natürlich kritisches Beurteilen komplett aus. Es zerstört außerdem so ziemlich die Idee, dass nützliches oder interessantes Material gelehrt werden sollte, weil man reflexiven Gehorsam solange nicht testen kann, bis man weiß, ob man es schaft, dass Kinder etwas lernen und sie alberne und langweilige Sachen tun.

    2. Die integrierende Funktion. Dies könnte gut “die Anpassungs-Funktion” genannt werden, weil ihre Absicht ist, Kinder so gleich zu machen wie möglich. Menschen, die sich anpassen sind vorhersehbar, und das nützt außerordentlich jenen, die viele Erwerbspersonen nutzbar machen und manipulieren wollen.

    3. Die diagnostische und weisende Funktion. Die Schule sollte die angemessene soziale Rolle eines jeden Schülers beschließen. Dies wird getan, indem man Beweise mathematisch und anekdotenhaft in kumulativen Aufzeichnungen protokolliert. So wie in “deine permanenten Aufzeichnungen”. Ja, Sie haben eine.

    4. Die differenzierende Funktion. Ist einmal ihre soziale Rolle “diagnostiziert”, müssen Kinder nach ihrer Rolle sortiert und nur so weit trainiert werden, wie ihr Ziel in der sozialen Maschinerie es verdient – und keinen Schritt weiter. So viel dazu, wie man Kinder dazu bringt, ihr persönlich Bestes zu geben.

    5. Die selektive Funktion. Dies bezieht sich überhaupt nicht auf die menschliche Wahlmöglichkeit, sondern auf Darwins Theorie der natürlichen Selektion, anwendungsbezogen auf das, was er “die begünstigten Rassen” nannte. Kurz, die Idee ist, den Dingen auf den Weg zu helfen, indem man bewusst versucht, die Aufzucht zu verbessern. Schulen sind dafür da, den Untauglichen zu markieren – mit schlechten Noten, Nachhilfeunterricht und anderen Strafen – klar genug, damit ihre Gleichaltrigen sie als tieferstehend akzeptieren werden und sie in wirksamer Weise aus den sich reproduzierenden Wettspielen ausschließen. Das ist, was all diese kleinen Erniedrigungen von der ersten Klasse an zu tun hatten: Den Dreck wegzuwaschen.

    6. Die einführende Funktion. Das gesellschaftliche System, angedeutet von diesen Regeln, wird eine elitäre Gruppe von Aufsehern erfordern. Zu diesem Zweck wird eine kleine Fraktion von Kindern leise gelehrt werden, wie man dieses anhaltende Projekt bewerkstelligt, wie man auf eine Population aufpasst und sie kontrolliert, deren geistiges Niveau absichtlich so weit ordnungsgemäß heruntergeschraubt wird, damit die Regierung unbestritten weitermachen darf und Kapitalgesellschaften sie niemals für folgsame Arbeit wollen würden.

    noch fragen? … dann einfach nochmal
    > http://de.wikipedia.org/wiki/Contra-Krieg

    und dort die fußnote 25 und 29 beachten

    ——————

    DANKE für die unermüdliche arbeit.

    Posted by polis | 26. Februar 2012, 23:15
  6. “Verständlich wird diese ausufernden Irrationalität nur durch den Begriff des Bösen “…?
    Ohne die Existenz des Bösen leugnen zu wollen: volkswirtschaftlich unsinnige Politik (wie z.B. die angebliche Griechenland-”Rettung”) ist deshalb nicht zwangsläufig irrational, solange sie die Interessen der Herrschenden befördert. Und das tut sie !

    “die Vernichtung des Menschen an sich, des Menschseins, jeglicher Individualität, Kreativität, Liebenswürdigkeit – geduldet ist der Mensch in der neuen Zukunft nur, wenn und solange er reibungslos in seinem Hamsterrad läuft.”:
    Dies ist keine Erfindung des NS, sondern war bereits der Kern der preussischen Erziehung, die als “schwarze Pädagogik” noch zu Anfang des letzten Jahrhunderts sehr weit verbreitet war. Reste davon finden sich heute noch in Teilen der Unterschicht. Ihr Motto war die frühestmögliche Brechung des Kindes, um es fortan optimal zu einem nützlichen Staatsdiener/ Arbeiter abrichten zu können.
    Die Opfer dieser seelischen Zerstümmelung leiden später unter mangelnder Empathiefähigkeit und neigen oft selbst zu extremer Grausamkeit, sogar in der Erziehung der eigenen Kinder. So pflanzen sich alte kulturelle Verbrechen über Generationen fort. Deren Opfer sind dann solche bemitleidenswerten, kalten Monster wie W.Clement, V.Putin oder F.Merz. Sie werden selbst wieder zu Verbrechern gegen die Menschlichkeit. In einem unmenschlichem Regime werden sie zu optimalen Funktionsträgern, denn sie haben den unbegrenzten Willen zum Erfolg und sehen nicht ein, warum es anderen Menschen besser gehen sollte als ihnen…

    Posted by Einsiedler | 26. Februar 2012, 18:15

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  1. [...] http://www.nachrichtenspiegel.de/2012/02/26/das-bose/comment-page-1/#comment-6287 [...]

    Das Böse | Contrapaganda - 27. Februar 2012

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