Medien

Deutschland – die gekaufte und verkaufte Republik und ihre Schafsmedien

Dienstag, 31.1.2012. Eifel. “Um ein tadelloses Mitglied der Herde sein zu k√∂nnen, muss man vor allem ein Schaf sein” – meinte Ralph Waldo Emerson. Schaue ich mich um, so muss ich feststellen: Schaf sein scheint in Mode zu geraten, damit man ja nicht seinen Arbeitsplatz verliert – und selbst das hilft nicht immer. √úber drei Millionen Menschen sollen aktuell wieder arbeitslos sein – nach Regierungsz√§hlart. Das die Regierung ihre Erfolge selber ausz√§hlt, ist ungef√§hr so plausibel, wie Lehrer, die ihren eigenen Unterrichtserfolg selbst benoten – aber in Deutschland geht das. Deshalb sind sind wir Superdeutschland und supertoll … auch wenn das – aktuellen Studien zufolge – psychisch ziemlich krank macht. Aber was soll¬īs: ¬†Schafe brauchen keine Psyche. Sie fressen alles kahl, koten alles zu und liefern letztlich feine Wolle – was will man mehr. Der Aufruf der UN zu einer radikalen Umkehr in der Weltwirtschaft geht spurlos an ihnen vorbei, das ihre Wolle – ihr Geld – zunehmend einfach nur verschenkt wird (in Frankreich an Unternehmer, in Deutschland an die internationalen Pharmakonzerne), interessiert das Schaf nicht: Hauptsache, es tr√§gt Jack Wolfskin und trabt unauff√§llig mit der Herde. Die Folgen eines solchen Verhaltens sind katastrophal – und so tun, als sei man nur ein Schaft, tut echten Menschenseelen selten gut. Man ist n√§mlich keins und muss sich selbst viel Gewalt antun, um in Reih und Glied zu bleiben.

Ende Januar spitzt sich die Krise immer weiter zu – Topmanager erwarten eine globale Wirtschaftskrise, das Eurodrama allein droht die Welt eine Krise im Stil der drei√üiger Jahre des letzte Jahrhunderts einzubringen¬†(worauf die deutsche Politik – die Hirten der deutschen Schafe – √ľberraschend gelassen reagiert, was das Manager Magazin schon vermuten l√§√üt, das es einen Geheimplan zur Rettung des Euro gibt), die Bundesbank selbst ger√§t an die Grenze ihrer finanziellen Leistungsf√§higkeit¬†so wie auch ganz Europa langsam das Geld ausgeht:

Die Europ√§er haben ihr Pulver f√ľr Konjunkturpakete bereits in der j√ľngsten Rezession im Jahr 2009 verschossen. Sie haben zudem seit 2008 bis heute rund 4,6 Billionen Euro an Krediten, Beihilfen und Garantien daf√ľr bereitgestellt, ihre Banken am Leben zu erhalten.¬†

4600 Milliarden Euro – das ist eine Menge Geld. Bei 500 Millionen Europ√§ern macht das pro B√ľrger 9200 Euro – Babys, Arbeitslose und Kleinrentner inklusive. 9200 Euro zus√§tzlich zu allem, was man sowieso schon bezahlen soll. Ein Blick in die klammen Geldbeutel der Europ√§er zeigt: das ist eigentlich gar nicht mehr drin. Wir m√ľssen uns auf eine Zukunft vorbereiten, wie sie manchen Griechen jetzt schon droht: 350 Euro monatlich m√ľssen f√ľr eine Familie reichen¬†- nach richterlichem Beschluss. Jedenfalls f√ľr eine griechische Familie. Hatten wir nicht gerade soviel Geld ausgegeben, damit vor allem die Griechen nicht leiden m√ľssen?

Ja, eigentlich schon. Im Prinzip wird uns die Hilfe an Griechenland ja als (ungerechte) Sozialhilfe verkauft – nur h√∂ren wir sehr wenig dar√ľber, das diese Hilfe auch ankommt. Wir m√ľssten eigentlich dar√ľber informiert werden, das die EZB (also wieder wir alle) der gr√∂√üte Gl√§ubiger Griechenlands ist – und das wir die Hilfen f√ľr Portugal auf keinen Fall mehr schultern k√∂nnten, auch wenn der Markt dies verlangt.

Warum geschieht das nicht? Leisteten wir uns deshalb nicht extra eine freie Presse, die uns fr√ľh genug vor solchen Verwerfungen warnen soll? Zahlen wir deshalb nicht GEZ-Geb√ľhren, um unsere Wachhunde zu haben, die bellen, wenn jemand den Kornspeicher pl√ľndert?

Nun – theoretisch schon. Praktisch aber sieht das anders aus: zunehmend verschwindet die kritische Berichterstattung – und auch das Reden dar√ľber wird innerhalb der Sender zum Jobrisiko. Wer nicht das Schaf macht, fliegt von der Weide. Die Weide selbst aber ist f√ľr Journalisten so fruchtbar, das man sie der Wahrheit zuliebe nur ungern verlassen w√ľrde – gerade in Deutschland:

Die Bahncard 50 kostet Normalsterbliche f√ľr die 2. Klasse 240 Euro, f√ľr die 1. Klasse 482 Euro ‚Äď der Journalist kommt mit 122 beziehungsweise 244 Euro weg und erh√§lt dieselbe Verg√ľnstigung auch f√ľr seinen Partner, sofern dieser unter derselben Adresse gemeldet ist.¬†

Auf die meisten Neuwagen zahlen Journalisten 15 Prozent weniger, die Bayerische Landesbausparkasse bietet ihnen ‚Äď sofern sie eine Immobilie finanzieren wollen ‚Äď Kredite mit erheblichem Zinsabschlag an. Die Allianz offeriert (√ľber diskrete Umwege) f√ľr Autohaftpflichtversicherungen 25 Prozent, f√ľr private Haftpflicht- und Hausratversicherungen bis zu 60 Prozent Rabatt.

Derartige Journalistenschn√§ppchen gibt‚Äôs f√ľr Elektronik, Handyvertr√§ge, Leihwagen, Hotels, Pauschalreisen oder M√∂bel, ebenso bei Partnerb√∂rsen und nicht nur das: www.pressekonditionen.de bietet derzeit 1‚ÄÖ310, www.journalismus.com 1‚ÄÖ700 spezielle Presserabatte an. Richtig in Schwung kam die Journalistenbeg√ľnstigung, nachdem die rot-gr√ľne Bundesregierung 2001 das Rabattgesetz von 1933 abgeschafft hatte.

Von freier und unabh√§ngiger Presse kann man da doch wohl nicht mehr reden, oder? Wie will man wirklich objektive und kritische Berichtserstattung von Menschen erwarten, die an dem System selbst enorm verdienen? Wie effektiv w√§re die Kriminalpolizei, wenn sie 10% der Beute aus allen kriminellen Gesch√§ften erhalten w√ľrde? Wer interessiert sich noch f√ľr den kleinen Mann auf der Stra√üe (auch jene mit Doktortitel und Meisterausbildung), der einfach nur seinen Kindern ein selbstverwirklichtes Leben in sozialer Verantwortung erm√∂glichen m√∂chte, ohne andere Leben dabei zu zerst√∂ren?

Nun – einige Privatleute vielleicht, die das Medium Internet nutzen, um am Chefredakteur vorbei einige Gedanken zu formulieren, f√ľr die man im Jahre 2012 keine Verleger mehr finden w√ľrde. Hier kann man immerhin noch sagen, wo denn das ganze Geld zur Eurorettung landet. Die Welt hat mal nebenbei drauf hingewiesen: j√§hrlich verliert Italien 120 – 150 Milliarden an Steuern durch Steuerhinterziehung, Geld, mit dem man dann – ganz im Stil der US-Wirtschaft – g√ľnstig Politik einkaufen kann oder sich an Hungersn√∂ten dumm und d√§mlich verdient.

Wir verwandeln uns langsam in eine billige Fotokopie der USA, wo Konzerne und Privatpersonen nach Belieben Politik kaufen. Wir k√∂nnen auch gar nicht genug nach den USA schauen – immerhin war dieses Land Vorbild f√ľr die rot-gr√ľne Regierung und auch die jetzige Kanzlerin zeigte ja schon mal gro√üe Sympathien f√ľr unsere Freunde im Westen. Lesen wir also mal im Manager Magazin nach, welche Zukunft unserer Republik droht:

Polizeistationen in den acht Bezirken des Detroit Police Department werden seit Mitte des Monats ab 16 Uhr t√§glich f√ľr 16 Stunden geschlossen. Daf√ľr gehen die Ordnungsh√ľter mehr auf Streife, weil in den Stra√üen der Stadt die Zahl der Morde im vergangenen Jahr um 10 Prozent anstieg. Laut dem Citizens Research Council von Detroit sank die Zahl der Polizisten in der Stadt von 5500 im Jahr 2001 auf inzwischen 3000.

Und weiter:

Ein Blick in den Restrukturierungsplan von B√ľrgermeister Bing vom 16. November offenbart, womit sich das geplagte Stadtoberhaupt dank der ausgezehrten Stadtfinanzen herumschlagen muss: Er k√§mpft darum, die 305 Busse, die f√ľr ein Minimum an st√§dtischer Transportleistung unbedingt n√∂tig sind, auf die Stra√üen zu bringen. Hierf√ľr werden Mechaniker rund um die Uhr eingesetzt, aber die L√∂hne um 10 Prozent gek√ľrzt, um die Kosten einzud√§mmen. “Ich erlaube es nicht, dass unsere Kinder und Senioren in der K√§lte so lange auf die Busse warten, dass sie Opfer von Kriminellen werden”, hei√üt es in dem Papier von Bing. Weil nach Jahren des eisernen Sparens Tausende von Stra√üenlampen ausgefallen sind, fehlen demnach 300 Millionen Dollar, um f√ľr eine ausreichende Beleuchtung in der Stadt zu sorgen

Das ist ein Blick in eine dunkle Zukunft, die im reichsten Land der Welt im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter ausgehen l√§sst, weil die “Spielregeln” es nicht anders zulassen – es sind die gleichen Spielregeln, nach denen Deutschland gerade regiert wird. Wir d√ľrfen also erwarten, das unsere Zukunft √§hnlich aussieht:

Ein Bundesgericht hat Anfang Januar eine Vereinbarung zwischen Central Falls und seinen Pension√§ren bekr√§ftigt, die eine K√ľrzung der Ruhestandsbez√ľge um bis zu 55 Prozent beinhaltet, damit die Stadt mit nur 19.000 Einwohnern die Besitzer ihrer Anleihen voll auszahlen kann.

So etwas w√ľrde ich mir doch einfach mal von Politikern bei der n√§chsten Bundestagswahl w√ľnschen: gro√üe Plakate, die darauf hinweisen, das wir letztlich f√ľr die Bankenrettung (bzw. f√ľr die Finanzierung der R√ľstungsw√ľnsche der US-Regierung an Griechenland, √ľber die in unserer Presse kaum geredet wird) mit einer Rentenk√ľrzung von 55% rechnen d√ľrfen.

Kaum zu glauben, das Gelsenkirchen bald das gleiche Schicksal wie Detroit drohen k√∂nnte: kein √∂ffentlicher Nahverkehr mehr, keine Stra√üenbeleuchtung, keine Polizei. ¬†Gut – in der Eifel lebt man schon immer so … aber wir dachten, “Fortschritt” w√§re anders.

Von welcher moralischen Qualit√§t die Akteure in diesem Spiel sind (also – mal abgesehen von den internationalen Brigaden der Steuerhinterzieher und Zinstyrannen), zeigt uns aktuell die Deutsche Bank, die f√ľr ein paar Peanuts weltweite Hungersn√∂te in Kauf nimmt¬†- und die Tatsache, des der Artikel stundenlang “Agarrohstoffe” anstelle von “Agrarrohstoffen” im Titel f√ľhrt, zeigt, des die Journalisten mit ihrer Aufmerksamkeit gerade wohl wieder bei den Sonderangeboten der Wirtschaft nach Presserabatten fahnden.

Lieber w√§re mir, sie w√ľrden nach denen fahnden, die die deutsche Republik verkauft haben – die finde ich aber erst nach langer Suche im Tafelforum:

Der marktförmige Umbau des Sozialstaates rief auch die Geister des Marktes auf den Plan. So z.B.
die Beratungsfirma McKinsey, die etliche Firmen zugunsten der globalen Weltmarktkonkurrenz zu
zerschlagen geholfen hatte. Sie erstellte bereits 1997 ein Tafel-Handbuch, welches der noch jungen
Tafelbewegung ein professionelles Outfit mit eingetragenem Markenzeichen verpasste. Anschließend
erarbeitete McKinsey zusammen mit der ebenso neoliberalen Bertelsmann-Stiftung u.a. die HartzGesetze aus.
Die Brandstifter von damals geben sich als Feuerwehrleute f√ľr heute aus. Die professionellen
Berater der Tafeln schufen ihnen die nötige Nachfrage!

Meine Frage wäre nun: wer berät die Regierung und die EU eigentlich aktuell bei der Krisenbewältigung? Auf jeden Fall arbeitet McKinsey intensiv an der Amerikanisierung Deutschlands (und der Heiligsprechung von Kapitaleignern) in deutschen Medien:

  • Startsocial (Partnerschaft mit¬†ProSieben)
  • CEO of the future (Partnerschaft mit¬†manager magazin, Spiegel Online und n-tv)
  • MittelstandPlus (Partnerschaft mit¬†Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der¬†KfW-Bankengruppe¬†und der¬†WirtschaftsWoche)
  • e-fellows.net¬†(Gesellschafter mit Deutsche Telekom AG und Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck)
  • Studentenspiegel (Partner mit¬†Der Spiegel)
  • Perspektive-Deutschland¬†(Online-Umfrage mit den Partnern Stern, ZDF und Web.de)

Da sich die Verlagsgruppe Dieter von Holtzbrink eng mit der Georg von Holtzbrink Verlagsgruppe verbunden sieht, ist mit dem Handelsblatt auch das letzte der gro√üen f√ľhrenden Medien in Deutschland fest in der Hand von McKinsey, die in den letzten Jahrzehnten Deutschland nach Herzenslust umbauen durften.

Viele zahlen heute noch den Preis daf√ľr, die ersten erfrieren gerade auf unseren Stra√üen.

Und immer mehr merken, das sie selbst als Menschen in einer ge- und verkauften Republik nur noch eins sind: selber Ware.

Ware, die keiner mehr haben will, wenn sie alt und gebraucht ist.

Wetten, McKinsey wei√ü jetzt schon, welche Pl√§ne man f√ľr diese Restmenschen in Zukunft hat, wenn die mal nicht mehr von den Tafeln und ihrer Mini-Rente leben k√∂nnen – und wetten, dass wieder eine Bank super an diesen Pl√§nen verdient und viele ihrer Eigner dank Steuerhinterziehung reich wie Onkel Dagobert werden und auch einen eben solchen asozialen Charakter pflegen? Immerhin: bei den Tafeln haben sie bewiesen, das sie konzernfreundlich in die Zukunft denken und auch die Politik dementsprechend steuern k√∂nnen – jedenfalls in Zusammenarbeit mit gro√üen deutschen Konzernen.

Damit die klappt, hat man inzwischen ein Netzwerk von 3000 Menschen in Deutschland und √Ėsterreich in Entscheiderpositionen stehen … und stellt somit eine Macht dar, die der Macht einer politischen Partei – eine Macht, die¬†dank der Mitarbeit der gut geschmierten Medienleute auch nahezu unsichtbar ist und sich st√§ndig weiter ausdehnt – aktuell mit einem interessanten Projekt:

Gleichzeitig baut McKinsey die Recovery Practice aus. In ihr ist die Expertise f√ľr die Restrukturierung von Unternehmen geb√ľndelt, die kurz vor oder in einer Liquidit√§tskrise stehen. McKinsey bietet hier k√ľnftig ein nochmals erweitertes Leistungsspektrum f√ľr Klienten. Dazu wurden auch zus√§tzliche Experten an Bord geholt und wurde das Kooperationsnetz mit externen Fachleuten enger gekn√ľpft. ¬†

Na dann … wird der An- und Verkauf Deutschlands ja z√ľgig vorangetrieben werden, die Kreditklemme der Realwirtschaft wird z√ľgig in eine Massenarbeitslosigkeit umgebaut, das Firmeneigentum kosteng√ľnstig verscheuert – alles finanziert vom deutschen Steuerschaf.

Aber wir haben ja unsere Leitmedien, die uns sicher vor diesem Schicksal bewahren werden.

Oder sind das auch nur Schafe … wie jene, die sich dieses get√ľrkte asoziale und wom√∂glich illegale ¬†DSDS anschauen und denken, das w√§re alles echtes Leben?

 



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