Der Rest

Medien im Staat – Veröden und Verblöden

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Es sieht gar nicht gut aus mit Deutschland. Zum Beispiel mit den Medien. Unter der Ankündigung „Mittelmaß und Wahn: Wie das deutsche Fernsehen verödet“ widmete die Süddeutsche Zeitung eine ganze Seite über die „ödeste Gleichförmigkeit“ im TV. Beklagt wird das Fehlen von Kreativität in der Sender-Bürokratie. „So wenig Niveau war nie!“ konstatiert auch auf 320 Seiten ein Buch mit dem Titel „Die verblödete Republik. Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen“. Ob falsche Betroffenheit in Talkshows, prollige Vorbilder wie Mario Barth oder Dieter Bohlen, von Supernannys statt von ihren Eltern erzogene Kinder. Und Medien entscheiden immer öfter über Karrieren von Politiker und „Menschen des öffentlichen Lebens“, wie wir gerade jetzt erleben.

Max Weber formulierte in Bezug auf das Handeln drei Maximen und zwar Leidenschaft, Augenmaß und das Bewusstsein zur Verantwortung, wie folgt:
„Das Engagement für die Schwachen, gegen die Mächtigen; für die Kleinen, gegen die Großen; für die Unterdrückten, gegen die Unterdrücker; für die Minderheit, gegen die Mehrheit; für die Verfolgten, gegen die Verfolger.“
Die Theorie besagt, dass die Medien als Wächter im Staat und Hüter der Demokratie fungieren sollen. Die Verantwortung der Journalisten/ der Journalistin sollte im Wesentlichen darin bestehen, den Prinzipien der Vollständigkeit, Objektivität und Verständlichkeit in Bezug auf die Informationen treu zu bleiben. Werden diese Prinzipien nicht eingehalten besteht die Gefahr des Gefälligkeit – Journalismus oder sogar des willkürlichen Unterdrückens von Informationen.

Heinz Pürer  in (Recht und Medien) führt hierzu aus:
„Die klassischen Massenmedien Zeitung, Zeitschrift,Radio und Fernsehen erfüllen in pluralistischen Systemen eine wichtige Aufgabe: Sie sind unverzichtbare Instrumente, um unabhängig von staatlichen Einflüssen und in vielfältiger Weise Öffentlichkeit über
bedeutende Vorgänge in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur herzustellen“.

Aber heute bleibt festzuhalten.

Medien sind machtvolle Wirtschaftskonzerne und agieren so, dass sie eher die Durchsetzung ihrer Machtinteressen und die Haltung ihrer Marktposition in den Vordergrund stellen, als die Durchsetzung demokratischer Vorstellungen.
Wenn wir uns heute die Medienlandschaft ansehen, dann muss man sich die Frage stellen, ob die Medien ( egal ob gedruckte Medienprodukte oder Rundfunk/Fernsehen) ihrer Rolle in der Gesellschaft überhaupt noch nachkommen. Das erscheint mir um so wichtiger, wenn man die  Medienberichte im politischen und gesellschaftlichen Bereich genauer betrachten. Aber auch Inhalte und Gestaltungsformen vor allem von Fernsehsender lassen daran zweifeln, ob Medien ihre Aufgabe im Staat überhaupt noch nachkommen (können). Die journalistische Ethik fällt in unserer Zeit, immer mehr, dem Druck des ökonomischen Erfolges der Medien als Unternehmen zum Opfer. Deutlich sind Tendenzen der Skandalisierung, Verflachung von Inhalten der Medienprodukte sind zu beobachten, was der Demokratie nicht förderlich ist, sondern eher als abträglich bezeichnet werden muss, wenn nicht sogar verwerflich.

Es ist schon bemerkenswert, wenn Verantwortliche von Medien z.B. Gewalt beklagen und den Staat aufrufen dagegen was zu tun und im gleichen Medium Filme gezeigt werden, in dem gemordet, entführt,vergewaltigt und sonstige Gewaltdarstellungen gezeigt werden, fast rund um die Uhr. Gleiches gilt für die unzähligen Glücksspielsendungen und das hinweisen auf Suchtgefahr bei Glücksspielen, welche den Bürgerinnen und Bürgern im Alltag angeboten werden.  Da findet man keinen nennenswerten Unterschied zwischen Privatsender und Öffentlich Rechtlichen Fernsehen, auch hier wird gemordet, gezockt, bereits im Vormittagsprogramm.

Das kann man vergleichen mit dem Beispiel, wenn man ein Schnitzel zu Mittag isst und dann den Metzger wegen Tiertötung anzeigt.

Den zynisch klingenden Ausdruck »Unterschichtenfernsehen« verdanken die Medien Harald Schmidt, dem erfolgreichsten Zyniker der Branche. Schmidt setzt den Begriff in seiner Sendung als Dauerpointe ein. Vorzugsweise in den Privatsendern spielt das „Unterschichtenfernsehen „ tägliche eine große Rolle. Arbeitslose spielen Arbeitslose, und Arbeitslose schauen ihnen zu. Menschen werden vorgeführt, erniedrigt auf einander gehetzt als wäre dies gesellschaftliche Normalität, was es nicht ist.

Auf Kritik reagieren die Macher solches Schrottfernsehens oft dünnhäutig. Ein RTL-Direktor zum Beispiel, äußerten sich, auf Anfrage von Zeit online, zum Begriff „Unterschichtenfernsehen“: .. „schon den Begriff empfinde ich als maßlos arrogant und soziologisch hetzerisch“ und  „Unterschicht, allein das Wort sei menschenverachtend „, sagte eine Sprecherin von Sat.1. Und auch ein Chef des Senders Sat.1, hat grundsätzliche Probleme mit dem Thema. Er sagt: „Ein Fernsehmacher sollte sich vom Begriff des Unterschichtenfernsehens distanzieren. Es ist der herablassende Blick von oben herab, der noch nie hilfreich war.“

Hört sich gut an, aber die Praxis ist anders. Da kennen wohl einige Fernsehmacher ihre eigene Fernsehformate nicht. Es verwundert nicht, dass die schreibenden Medien sich gleicher diskriminierender Berichterstattung über die sogenannte „Unterschicht“ bedienen. Ich sehe es als nicht notwendig an, an dieser Stelle, Beispiele auszuführen, die üblich Verdächtigen dürften der Mehrheit der Leser bekannt sein. Worauf ich aber noch eingehen möchte, ist die Tatsache, dass   Politikern und Vertretern der Wirtschaft sich diesen diskriminierenden Sprachschatz  zu eigen gemacht haben. Dieser diskriminierende Sprachschatz wird in diversen Talkshows bei den Privatsendern, wie auch bei den Öffentlich Rechtlichen Sendern der Zuschauer gerne mitgeteilt. Unterschicht, Bildungsferne Unterschicht, soziale Entfremdung einzelner gesellschaftlicher Gruppen, ja auch der Begriff Wohlstandmüll (und vieles mehr), sind in Talkshows gefallen und fanden den Weg in die Wohnzimmer der Zuschauer.

Böse Zungen behaupten, dass niveaulose  Medienberichte der Presse und Fernsehen der herrschenden Schicht, Politikern nur gelegen kommt, um das Volk künstlich dumm zu halten oder dumm gemacht werden soll. Wer anspruchslose und sinnfreie Medienberichte unkritisch betrachtet, nach dem Motto, mir doch egal, bei denen haben die betreffenden Medien ihr Ziel erreicht. Quote und Auflagen, rechtfertigt nicht, den Schrott der zu sehen oder zu lesen ist.

Pressefreiheit und Medienfreiheit darf nicht unkontrolliert bleiben. Der Verbraucher, also wir, sind die Wächter und Kontrolleure, stehen hier in der Verantwortung und bestimmen die Quoten und Auflagen.

Dazu noch einen Kommentar zum Thema Medien und Bildung von Georg Schramm.



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